Montag, 22. Mai 2017

140 Jahre Ohlsdorfer Friedhof

Im Förderverein Ohlsdorfer Friedhof e.V. haben wir das zweite Heft unserer vierteljährlichen Zeitschrift dem 140. Jubiläum der Friedhofseinweihung gewidmet.

Wir berichten nicht nur von der Friedhofsgeschichte und der gegenwärtigen Entwicklung (siehe auch meinen Tagungsbericht), sondern auch von den ersten beiden Friedhofsdirektoren, deren Tod einhundert bzw. siebzig Jahre zurück liegt, sowie von anderen Hamburger Persönlichkeiten, deren Todesdaten sich ebenfalls jähren.

Wie immer kann man das Heft im Druck vom Förderkreis beziehen und auch Internet lesen (der Förderkreis freut sich natürlich über Spenden!)

Sonntag, 21. Mai 2017

Friedhof der Unschuldigen - Ein "Friedhofsroman"

Cover von Miller, Friedhof
der Unschuldigen
Diesmal habe ich kein Sachbuch gelesen, sondern einen spannenden Roman, der im Paris des ausgehenden 18. Jahrhunderts spielt und die Räumung des Cimetière des Innocents zum Thema hat.  Der englische Autor Andrew Miller ist dazu durch die Lektüre von Philippe Ariès berühmter „Geschichte des Todes“ angeregt worden. Er beschreibt, wie der junge Ingenieur Jean-Baptiste Baratte beauftragt wird, den Friedhof und die angrenzende Kirche zu zerstören.

Der Roman ist spannend zu lesen und enthält dazu eine ganze Menge Information über die Ausräumung des überbelegten Friedhofs, der seine Umgebung verpestete und mit dem eine Welle von Friedhofs-Verlegungen in Frankreich begann, die auf ganz Europa übergriff.

Andrew Miller, Nikolaus Stingl (Übersetzer), Friedhof der Unschuldigen. Roman bzw. Hörbuch. Das Original erschien 2011 unter dem englischen Titel "Pure" (auf Französisch heißt er "Dernier Requiem pour les innocents")

Montag, 15. Mai 2017

Tagung: Öffentliche Leistungen und Funktionen aktiver Friedhöfe

Grabmal auf dem Ohlsdorfer Friedhof (Foto Leisner 2017)
Am Montag, 29. Mai 2017, veranstaltet der DBU eine Tagung, in der die Ergebnisse der von ihm geförderten interdisziplinären Forschungsarbeit zur Zukunftssicherung der Friedhöfe vorgestellt werden. Sie reichte über den Zeitraum von 2013 bis 2016 und weist nach, dass öffentliche Haushaltsmittel sinnvoll angelegt sind, weil die Zukunftssicherung der Friedhöfe von großem
öffentlichem Interesse ist. Mit der Tagung soll eine Diskussion zur Bedeutung aktiver Friedhöfe im urbanen Raum angeregt werden, die natürlich auch historische Friedhöfe betrifft. Darüber hinaus wird ein Pilotprojekt zur weiteren Validierung der Forschungsergebnisse vorgestellt, das ebenfalls fachlich diskutiert werden soll.

Das Programm der Tagung ist im Internet veröffentlicht. Der Tagungsort ist das DBU Zentrum für Umweltkommunikation gGmbH, An der Bornau 2, 49090 Osnabrück. Anmeldeschluss ist der 22. Mai 2017, online an unter: https://www.dbu.de/veranstaltungFriedhof oder per E-Mail an j.spanier(bei)dbu.de.

Freitag, 12. Mai 2017

Tagungsbericht: Ohlsdorf 2050 - Nachhaltige Friedhofsentwicklung


Vortrag von Prof. Dr. Gabriele Dolff-Bonekämper
Gartenarchitekten, Friedhofsverwalter, Gärtner, ebenso wie Historiker und Denkmalpfleger kamen auf dem Ohlsdorfer Friedhof, um sich über die Friedhofentwicklung und speziell die aktuellen Planungen für die Ohlsdorf zu informieren. Die international angelegte Tagung fand im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie "Ohlsdorf 2050" statt und war mit etwa hundert Teilnehmern sehr gut besucht. Gefördert wird die Zukunftsstrategie vom Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Modelle für eine angepasste und nachhaltige Friedhofspflege sollen dabei erarbeitet und eine dauerhafte Finanzierbarkeit gesichert werden. Außerdem besteht die Vorgabe wirtschaftliche und umweltrelevante Ziele sowie Denkmalpflege und kulturelle Anforderungen zusammenzuführen, so dass die Ergebnisse auf andere Friedhöfe übertragbar sind.

In den Begrüßungsansprachen wurde betont, dass es nicht nur um die Bewahrung von Grünflächen für die Zukunft und die Verstetigung des bürgerschaftlichen Engagements geht, sondern auch darum Konfliktpotentiale zwischen unterschiedlichen Nutzungsansprüchen zu erkennen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Frage: Was sind Friedhöfe heute? Einige Antworten ergaben die anschließenden Vorträge, die in die vier Bereiche „Friedhöfe als kulturhistorische Orte“, „Zukünftige Friedhöfe“, „Erinnerung und Trauer verändern sich“ und „Aufbruch in Ohlsdorf“ gegliedert waren.

Freitag, 14. April 2017

OHLSDORF 2050 – NACHHALTIGE FRIEDHOFSENTWICKLUNG

Grabfeld aus den 50er Jahren auf dem Ohlsdorfer Friedhof
(Foto Leisner)
Ein kurzer Hinweis auf die Tagung "OHLSDORF 2050" im Forum Ohlsdorf am 27. und 28. April 2017. Die Anmeldefrist ist leider schon abgelaufen. Ich selbst werde dort sein und hier berichten.

Die Tagung mit internationalen Gästen gehört zur Entwicklung der "Nachhaltigkeitsstrategie Ohlsdorf 2050", die im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert wird. Dabei soll die Friedhofsentwicklung "auch mit einem Blick über die Grenzen Deutschlands" beleuchtet werden. Der aktuelle Stand der Strategie für den Ohlsdorfer Friedhof wird ebenfalls vorgestellt werden. Das Programm ist hier veröffentlicht.

Montag, 3. April 2017

Die Zukunft des Todes - Heterotopien des Lebensendes

Cover von
Benkel, Die Zukunft des Todes
Thorsten Benkel hat zusammen mit Matthias Meitzler inzwischen eine mehrere Bücher und eine Vielzahl von Beiträgen verfasst, in denen der Umgang mit dem Tod und besonders die Friedhöfe aus dem Blickwinkel soziologischer Forschung betrachtet werden. Über ihre Untersuchungen zum Wandel der Bestattungskultur berichten sie auf einer eigenen Website. Außerdem läuft seit noch nicht allzu langer Zeit am Lehrstuhl für Soziologie der Universität Passau ihr neues empirisches Forschungsprojekt mit dem Titel "Die Pluralisierung des Sepulkralen".

Für den von ihm herausgegebenen Sammelband zur Zukunft des Todes hat Thorsten Benkel eine Reihe von namhaften Persönlichkeiten um Beiträge gebeten (s. Inhaltsverzeichnis). Es geht ihm dabei, wie der Untertitel "Heterotopien des Lebensendes" deutlich macht um die Räume, in denen das Lebensende und das Abschiednehmen vor sich gehen. Im Rückgriff auf Foucault definiert er schon im Titel diese Räume als Heterotopien, grob übersetzbar als "Andersräume" oder (mit Wikipedia) als "Räume bzw. Orte und ihre ordnungssystematische Bedeutung" und das bedeutet zugleich Räume, die Normen, welche zu ihrer Zeit gelten, "nur zum Teil oder nicht vollständig umgesetzt haben oder die nach eigenen Regeln funktionieren".  

Donnerstag, 30. März 2017

Vor 25 Jahren wurde das Museum für Sepulkralkultur in Kassel eingeweiht

Ausstellungsbereich zum Tod in Mexiko
im Museum für Sepulkralkultur (Foto Leisner 2014)
Ist es wirklich schon 25 Jahre her? Oder sollte man besser fragen, gibt es das Museum wirklich erst seit so kurzer Zeit? Tatsächlich hatte der Tod lange keinen Stellenwert in der deutschen "Nachkriegswelt". Die Menschen hatten den Krieg erlebt. Sie hatten ihre Verwandten und Freunde verloren. Tod und Trauer wurden tabuisiert.

Der Gründungsvater des Museums aber, der damalige Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal Hans-Kurt Boehlke, setzte sich trotzdem beharrlich dafür ein ein Museum, das die Kultur des Todes bewahren und ausstellen sollte, in seiner Geburtsstadt Kassel einzurichten. Ihm war es 1960 gelungen den Sitz der Arbeitsgemeinschaft von Bonn nach Kassel zu verlegen. 1979 entstand dann parallel dazu ein neues Institut für Sepulkralkultur, aus dessen Arbeit und Sammeltätigkeit das Museum hervorging. Ein Ziel war es dabei den Besuchern die Berührungsängste mit dem Tod zu nehmen. Das scheint gelungen. Nachdem anfangs der Schwerpunkt auf der Ausstellung volkskundlich-thematischer Objekte lag, also Zeugnisse der Bestattungs- und Trauerkultur zu sehen waren, rückten nach der Jahrtausendwende der Tod und die Toten, ja das Sterben selbst weiter in den Focus. Mit aufsehenerregenden Ausstellungen wie z.B. "Noch mal Leben", in der die Fotografien von Walter Schels und die Texte von Beate Lakotta zu sehen waren, die Totgeweihte vor und nach ihrem Tod zeigen, kamen neue Besucherschichten in das Museum.

Jetzt wird geplant die Schausammlung komplett neu zu strukturieren. Und wenn das Museum endlich einen neuen Leiter hat, wird wahrscheinlich auch noch gefeiert!