Montag, 20. November 2017

Eine neue App für den Ohlsdorfer Friedhof

Ohlsdorf App auf dem iPhone
(Foto J. Holz 2017)
Im letzten Post habe ich schon auf die neue App hingewiesen, mit der sich der Ohlsdorfer Friedhof per Smartphone erkunden lässt. Sie ist zwar noch ausbaufähig, aber schon jetzt enthält sie über 700 Orte, darunter 580 Gräber von Prominenten, sowie Kapellen, Friedhofsgärtnereien und Grabanlagen, aber auch Hinweise auf alle Bushaltestellen, Toiletten, Notrufsäulen, Parkplätze und Eingänge, sowie die Öffnungszeiten. Per GPS wird der eigene Standort gezeigt, sowie - je nach Einstellung - z.B. die Gräber prominenter Persönlichkeiten und die jeweilige Entfernung zu einem bestimmten Ort. Mit der Suchfunktion lassen sich sogar die Friedhofskoordinaten anzeigen. Praktisch ist zum einen, dass das Kartenmaterial online und offline benutzt werden kann, zum anderen die leichte Handhabung.

Ich habe die App gerade auf dem Friedhof getestet und mich per GPS-Signal ein wenig führen lassen. Das funktionierte anfangs perfekt, dann allerdings verfing sich das Signal und wurde nicht mehr angezeigt, "wg. Zeitüberschreitung". Wenn man sich auf dem Friedhof nicht auskennt, kann man dann immer noch nach dem Wegeplan alles finden, was man sucht. Der blaue Punkt, wo man selbst ist, fehlt dann eben nur. Trotz dieses Problems ist die App bestimmt hilfreich, wenn man sich auf dem großen Ohlsdorfer Friedhof zurechtfinden will. Mich hat nur das kleine helle Feld rechts unten ein wenig gestört. Es zeigt an, wo sich der vergrößerbare Kartenausschnitt auf dem Friedhofsplan befindet. Aber dadurch wird der vergrößerbare Ausschnitt sehr eingeschränkt. Ruft man dann noch die Info zu einem Grab auf, dann sieht man den Plan fast gar nicht mehr. Das hat mich irritiert.

Die App ist in Deutsch und Englisch erhältlich und läuft auf Smartphones und Tablets (iOS ab 8.0 und Android ab 4.1).  Hier gibt es Informationen und weitere Bilder zur App, die für 1,09 Euro zu haben ist.

Samstag, 18. November 2017

#digina17 und die Zunkunft der Friedhöfe

Grabstätte Mackentum, Ohlsdorf
(Foto Leisner 1993)
Die digina, die gerade in München stattgefunden hat, ist eine Konferenz, in der es um das digitale Leben und speziell um den digitalen Nachlass und das digitale Nachleben geht; besonders um die Frage, wie man seine Daten organisiert, schützt, regelt und weitergibt. Das ist natürlich ein Thema, dass jeden angeht, der oder die das Internet nutzt und dort bewusst oder unbewusst Spuren hinterlässt. Doch inwieweit geht es auch Friedhofsfreunde an, die sich für historische Friedhöfe einsetzen?

Offenbar ist der Tod und sind die Friedhöfe inzwischen wieder mitten in der Gesellschaft angekommen. Die Verbindung zu historischen Friedhöfen und zu dort bestatteten bekannten Persönlichkeiten gilt anscheinend sogar als geschäftsfördernd - zumindest im virtuellen Bereich. So kommt die Seite friedhofguide.de/ sowohl mit ihrem Namen wie mit ihrer Startseite als Führer über deutsche Friedhöfe daher und springt damit auf den wachsenden Trend auf, historische Friedhöfe als touristische Ziele zu besuchen. Tatsächlich steht als Geschäftsmodell hinter dieser Seite aber ein viel breiteres virtuelles Dienstleistungsangebot. Es wendet sich sowohl an Friedhofsverwaltungen, Bestatter und andere Berufe, die mit dem Friedhof in Verbindung stehen, wie an Trauernde.

Erstere sollen über dieses Portal virtuelle Friedhofsrundgänge erstellen und damit auf ihre Geschichte und die historischen Persönlichkeiten, die dort bestattet sind, hinweisen. Bestatter sollen ihre Dienstleistungen um digitale Angebote erweitern können - z.B. indem sie Digitale Gedenkseiten für Hinterbliebene anbieten und Führer, die per Smartphone und GPS-Koordinaten Trauernde zum realen Grab bringt und mit Informationen darüber versorgt (sozusagen die neue "Digitale Grabpflege"!). Trauernden wird angeboten, die Erinnerung an Verstorbene dadurch lebendig zu erhalten, dass sie über das Portal die Friedhöfe mit ihren Gräbern, auf denen ihre Angehörigen beigesetzt sind, digitalisieren und virtuell miteinander verbinden. (Hier stehen mehr Infos zu dieser Website!)

Werden wir in Zukunft also nur noch virtuell Friedhöfe besuchen? Das ist nicht zu erwarten, obwohl es tatsächlich schon viele Angebote gibt, am Computer historische Friedhöfe zu entdecken oder sich mit Hilfe des Smartphones über ihre verschlungenen Pfade zu Grabmälern bedeutender Persönlichkeiten führen zu lassen (siehe meinen nicht gehaltenen Vortrag in der Schwabenakademie Irsee). Gerade ist eine solche App auch für den Ohlsdorfer Friedhof auf den Markt gekommen.

Solche neuen Angebote machen aber auch klar, dass Start-ups in den Startlöchern stehen um nun auch die Realität des Todes mit seinen vielfältigen Facetten in der virtuellen Welt abzubilden und daraus neue Verdienstmöglichkeiten zu generieren. Verwaltungen von historischen Friedhöfe sollten sich überlegen, ob sie nicht lieber selbst endlich damit beginnen, den Hinterbliebenen und damit ihren eigenen Kunden virtuelle Angebote zu machen, anstatt diese Möglichkeit an andere zu verschenken.

Samstag, 28. Oktober 2017

Förderverein in Dortmund restauriert Kindergräber

In Dortmund wurde im September des letzten Jahres ein Förderverein für den Nordfriedhof gegründet.  Joachim vom Brocke hat darüber in einem Post auf seinem Blog "Nordstadtblogger: Aus der Nordstadt – über die Nordstadt – Nachrichten aus Dortmund" ausführlich berichtet. Leider scheint der Verein keine weitreichende Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, denn bisher habe ich noch keine Website von ihm gefunden.

Grabmal in Grottenform für die einjährig verstorbene
Wilhelmine Bach, gest. 1905, Foto: Ole Steen/Die Nordstadtblogger
Dafür berichteten aber die Nordstadtblogger im Juli dieses Jahres über einen ersten Erfolg des Vereins: Ein Bestattungsunternehmen hat fünf Grabmale für Kinder vom Anfang des letzten Jahrhunderts restaurieren lassen. Aufgrund der Initiative des Friedhofsverwalters wurden sie zudem neu entlang des Hauptwegs zur Trauerhalle aufgestellt.

Bei den Grabmalen handelt es sich um zeittypische schlichte kleine "Grottengrabmale", deren Form aus einem Rahmen besteht - meistens aus Sandstein gehauen oder aus Kunststein gegossen -, der oft die Form von Steinquadern hat, sowie einer darin eingelassenen Schriftplatte aus schwarzem Glas oder Granit, bzw. weißem Marmor. Die Schrift ist häufig noch vergoldet. Viele Grotten haben zudem einen Aufsatz z.B. in Form eines Kreuzes. Bei zwei Grabmalen sieht man auf dem Bild, dass solche Aufsätze einstmals vorhanden waren.

Der Förderverein plant außerdem zwei Ruhebänke an diesem Weg aufzustellen, damit ältere Friedhofsbesucher auf dem Weg vom Parkplatz bis zur Trauerhalle eine Pause einlegen können.

Traurig sind die Mitglieder des Fördervereins immer noch über einen Bronzediebstahl, bei dem im letzten Jahr eine historische Bronzestatue und eine Bronzeplatte vom Friedhof entfernt wurden. Man überlegt, wie die Leerstelle gefüllt werden könnte.

Donnerstag, 14. September 2017

Transmortale VIII - Call for paper

Knochenkapelle in Evora, Portugal
(Foto Leisner)
Die transmortale VIII findet 2018 wieder im Museum für Sepulkralkultur in Kassel statt. Wie immer
ist das Ziel des Workshops, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen die Möglichkeit zu geben, ihre neuen Forschungsperspektiven in Kurzreferaten vorzustellen und diese in einer größeren Runde zu diskutieren. So können aktuelle Fragen und Ergebnisse interdisziplinär beleuchtet und inhaltliche Gemeinsamkeiten transdisziplinär zusammengeführt werden.

Der Workshop findet am Samstag, den 10. März 2018 statt und wird gemeinsam von der Universität Hamburg (Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie und Historisches Seminar) und dem Museum/Institut für Sepulkralkultur veranstaltet.

Wer sein Forschungsprojekt in einem Vortrag oder einer Präsentation vorstellen möchte (max. 20 Minuten), sendet seinen Themenvorschlag (mit Abstract von max. einer Seite nebst Curriculum Vitae) bis zum 3. November 2017 an: niedermeyer@sepulkralmuseum.de  

Freitag, 8. September 2017

Macht und Pracht - der Tag des offenen Denkmals 2017

Das Innere des Mausoleums Riedemann auf
dem Ohlsdorfer Friedhof
(Foto Peter Schulze 2008)
Wer an diesem Wochenende noch nicht weiß, was er oder sie tun soll, dem kann man auch dieses Jahr wieder den Tag des offenen Denkmals empfehlen. Diesmal steht er unter dem Motto "Macht und Pracht" und passt damit wie angegossen auf die vielen großen Mausoleen und aufwändigen Grabmale, die auf historischen Friedhöfen zu entdecken sind.

Jasmin Dickel hat dazu auf ihrem Friedhofsblog eine ganze Reihe von Veranstaltungen zusammengetragen, die in ihrem Umkreis stattfinden. ich füge hier noch den Hinweis auf die Führungen des Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. hinzu, die ich schon auf der Seite des Vereins bei Facebook veröffentlicht habe, sowie die Möglichkeit die Fritz-Schumacher-Halle des Forums Ohlsdorf näher kennenzulernen.

Wer weitere Veranstaltungen sucht, sei auf das allgemeine Programm verwiesen, in dem aber offenbar nicht alle Teilnehmer ihre Veranstaltungen gemeldet haben den Ohlsdorfer Friedhof findet man dort z.B. nicht!). Deswegen bietet es sich an nach der eigenen Stadt im Internet mit dem Stichwort "Tag des offenen Denkmals" zu suchen. Viele Orte geben nämlich ihre eigenen Programme heraus. So findet sich z.B. im Hamburger Programm auch der Historische Mennonitenfriedhof in Altona; die von Fritz Schumacher 1926 entworfene Kapelle auf dem Alten Friedhof Finkenwerder; die Kirche St. Severini zu Kirchwerder mit einem Friedhof, der über den umfangreichsten Bestand wertvoller Grabplatten des 16.–19. Jh. in den Vier- und Marschlanden verfügt; die Christianskirche in Ottensen, mit ihrem Friedhof, auf dem sich das Grab des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock befindet, und das Schimmelmann-Mausoleum und der historische Friedhof der Christuskirche in Wandsbek.

Freitag, 28. Juli 2017

Highgate Cemetery at a crossroads - eine Ausstellung in London und im Internet

Bildausschnitt aus der Online-Ausstellung
des Highgate-Friedhofs in London
Der Highgate Cemetery in London ist einer der ersten, für den sich ein eigener Freundeskreis gebildet hat. Die "Friends of Highgate Cemetery" haben aufgrund ihres Engagement für die Erhaltung ihres Friedhof schließlich sogar die Verwaltung und damit ganzen Betrieb übernommen. Nun haben sie vor Ort und im Internet eine Ausstellung zusammengestellt, weil sie den Eindruck haben, dass nach 178 Jahren Friedhofsbetrieb heute ein Punkt erreicht ist, an dem - ähnlich übrigens wie beim Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg - wichtige Entscheidungen über die Zukunft getroffen werden müssen.

Sie schreiben in ihrem Vorwort zur Ausstellung, dass die Flächen für die Bestattung bald zu Ende gehen und dass Bäume Gräber und Denkmäler zerstören. Da Nichtstun keine Option sei, bitten Sie ihre Besucher mitzuhelfen die richtigen Antworten zu finden. In zahlreichen Gegenüberstellungen von historischen Fotos mit dem heutigen Zustand, zeigt die Ausstellung im Internet, wie stark sich der Friedhof sich im Laufe der Zeit verändert hat. Auf anderen Bildern sieht man den teilweise traurigen Zustand der Grabmale in bestimmten Bereichen. Die Ausstellung wirft auch die Frage auf, wie viele Besucher der Friedhof verträgt.

Die Freunde des Friedhofs haben einerseits durch ihre Arbeit schon viel für den Friedhof erreicht, doch andererseits fürchten sie, dass er langsam durch Bäume, Efeu und die Auswirkungen der Zeit zerstört wird. Um an die die nächste Generation einen historischen Ort weiterzugeben, der seine Bedeutung gewahrt hat und zugleich finanziell tragfähig bleibt, wollen sie einen Entwicklungsplan erstellen. Deshalb bitten sie ihre Besucher einen Fragebogen auszufüllen, der bei der Planung helfen soll.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Bestattungskulturen im Wandel

Seit mehreren Jahren findet an der Hamburger Universität im Rahmen des Allgemeinen Vorlesungswesens eine Ringvorlesung statt, die sich mit Themen rund um Sterben, Tod und Bestattung beschäftigt. Die Vorträge des Sommersemesters 2016 sind jetzt in dem Band "Bestattungskulturen im Wandel" der Online-Zeitschrift "Ethnoscripts" Band 19, 2017, Nr. 1 nachzulesen. Diese Zeitschrift lässt sich kostenlos von der Website der Hamburger Staatsbibliothek herunterladen.

Folgende Beiträge sind dort versammelt: Daniela Hofmann: Endstation Friedhof? Bestattung und materielle Kultur im Wandel; Andreas Ströbl: Sarg und Grabmal – Wechselspiele zwischen Repräsentation und Verhüllung; Jan Budniok/Andrea Noll: Tod und Druckerschwärze. Begräbnisbroschüren als Erinnerungsorte der ghanaischen Mittelklasse; Frank André Weigelt: Kein Platz unter der Sonne. Über Wandel und Beständigkeit bei der Bestattung zoroastrischer Parsen in Hongkong; Norbert Fischer: Körper – Asche – Natur: Über Transformationen des Leichnams durch
Krematoriumsbau und Feuerbestattung vom späten 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart; Gerrit Spallek: Friedhof und Bestattung in den Augen der katholischen Kirche und als Ort der Theologie.