Samstag, 26. Mai 2018

Ein Jubiläum und die Frage nach der Zukunft unserer Friedhöfe - Veranstaltungen in Kassel

Die Stadt Kassel und das Sepulkralmuseum laden zu einer Abendveranstaltung ein, die man sicher auch im Rahmen des 175-jährigen Jubiläums des Kasseler Hauptfriedhofs sehen kann, das am 10. Juni 2018 mit einem „Tag der offenen Tür“ begangen wird.  Hier das Programm:
Samstag, 09. Juni 2018, um 21:00 Uhr, Erlebnisführung „Friedhofsgeflüster“ mit Dr. Anja Kretschmer. Treffpunkt: Hauptfriedhof – Eingang Halitplatz, gegenüber Scheidemannhaus.

Sonntag, 10. Juni 2018, um 10:00 Uhr, Gottesdienst „Laudatio si – Sei gepriesen“ in der Auferstehungskirche Mombachstraße.

Am Sonntag, 10. Juni 2018, gibt es folgende Themenführungen:

9:00 Uhr          “Vogelkundlicher Spaziergang“ mit Herrn Teubert      Treffpunkt: Eingang Halitplatz

11:00 Uhr bis 15:00 Uhr stündliche Führungen im Krematorium    Treffpunkt: Eingang Krematorium

Führungen mit Treffpunkt am Brunnen auf der Wiese hinter der Trauerhalle:
13:00 Uhr        „Brüder Grimm – auch auf dem Hauptfriedhof“ mit Herrn Gerner
14:00 Uhr        „Ein Engel steht Dir zur Seite“ mit Frau Kuhle
14:30 Uhr        „Dendrologische Führung – Bäume und Sträucher“ mit Herrn Ebert
15:00 Uhr        „Sechs Frauen – sechs Ehrengräber“ mit Frau Dr. Wolff und Frau Kuhle
15:30 Uhr        „Pflegelose Grabarten“ mit Herrn Rehs oder Herrn Werner

Dazu gibt ein Kinderprogramm (Tontöpfe bemalen und mit Kressesamen bepflanzen; 11:00 Uhr  Kurzfilm „Lukas und Oma nehmen Abschied“ mit Frau Geipel

Außerdem Musikalische Höhepunkte:
14:00 Uhr Orgelmusik in der Trauerhalle mit Herrn Heger-Schöfthaler
15:00 Uhr Ensemble „Scharfes Blech“ mit bunten Melodiereigen (Mausoleum Hauptfriedhof)

Ab 11:00 Uhr können Sie die Grüfte im Mausoleum zu besichtigen.

Fahrten mit der Pferdekutsche über den Friedhof mit Infos zu Grabarten und Gräbern.

Würstchen und Kaffee, Kuchen und Waffeln.

Veranstaltungsort: Hauptfriedhof – Tannenheckerweg 6 / Karolinenstraße – 34127 Kassel – Wiese hinter der Trauerhalle

Dienstag, 24. April 2018

Tod und Tourismus - Schwerpunkt der neuen Ausgabe von "Friedhof und Denkmal"

Die neueste Ausgabe der Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal in Kassel widmet sich dem Tourismus im Zusammenhang mit Tod und Friedhof.

Ich sitze in der Redaktion und verantworte in dieser Ausgabe sowohl das Editorial wie den ersten Beitrag "Friedhöfe als touristische Attraktionen und die Route der Europäischen Friedhofskultur", das heißt, ich mache hier auch Eigenwerbung.

Das hat sein Gründe. Es geht dabei nicht so sehr um meinen Beitrag, der die Überarbeitung des Vortrages ist, den ich nicht auf der Tagung in Irsee halten konnte.  Danach folgt eine ganze Reihe von interessanten Aspekten zum "Thana-Tourismus": Andreas Ströbl und Oskar Terč berichten über den Besuch von Grüften in Deutschland und in Wien; Stephan Hadraschek stellt das Seminar "Mythos Friedhof" der "Berliner Unterwelten e.V." vor und Anja Kretschmer berichtet über ihr "Friedhofsgeflüster", das im Lauf der letzten Jahre immer populärer geworden ist. Auch in Kassel selbst wird aktiv daran gearbeitet, das Interesse für historische Friedhöfe zu verstärken. Schon seit längerer Zeit gibt es dort die beliebten Seminare für Friedhofsführer, über die Gerold Eppler schreibt, während Ulrike Neurath, wie Eppler Mitarbeiterin des Kasseler Museums, den Aspekt der "Trauerreisen - Zwischen Verlustschmerz und Fernweh" behandelt.

Insgesamt ist damit meiner unmaßgeblichen Meinung nach ein ganz besonderes Heft dieser Zeitschrift entstanden, das ich allen jenen besonders empfehlen möchte, die sich mit der Erhaltung und Pflege historischer Friedhöfe und der Frage auseinandersetzen, wie man diesem Kulturgut in der Öffentlichkeit zu stärkerem Gewicht verhelfen kann.

Donnerstag, 12. April 2018

Neuer Band des Lexikons der Bestattungs- und Friedhofskultur in Arbeit - Begriffe aus Literatur, Musik, Fotografie und Film

Vom Lexikon der Bestattungskultur sind in Kassel inzwischen die Bände 1-3 und der Band 5 erschienen. Schon an dem zuletzt erschienenen Band 5 haben Mitglieder des damaligen Beirates für Grundlagenforschung der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal in Kassel mitgearbeitet. Er ist den Persönlichkeiten der Sepulkralkultur - also Personen, die einen wichtigen Beitrag zum Thema Sterben, Tod, Bestattung und Erinnerung geleistet haben - gewidmet. Auch ich habe dazu verschiedene Beiträge geschrieben und verantworte auch die Schlussredaktion.

Inzwischen ist der noch fehlenden Band 4 vom Beirat anvisiert worden. Ursprünglich sollte er das Thema der Bestattungs- und Friedhofskultur im Bereich der Medien beinhalten. Doch wurde bald klar, dass diese Aufgabe zur Zeit noch zu hoch gesteckt ist, da die Grundlagenforschung in vielen Bereichen fehlt. Deswegen wird sich dieser Band auf 100 (oder mehr) Begriffe aus Literatur, Musik, Fotografie und Film beschränken, die mit Tod und Sterben zusammenhängen. Die Arbeitsgruppe für diesen Band, der auch ich angehöre, hat sich inzwischen auf eine Liste von Stichworten geeinigt, die zwar noch nicht endgültig, aber doch schon umfangreich ist. Es liegt auch schon eine ganze Reihe von Artikeln vor. Doch sind noch längst nicht alle geschrieben.

Falls jemand von meinen Lesern Interesse hat, das eine oder andere Stichwort zu bearbeiten, möge er oder sie sich bitte direkt bei mir melden (barbara.leisner(at)gmail.com). Ich stelle dann die Stichwortliste zur Verfügung. Es fehlen zum Beispiel noch Texte zu den Stichworten: Bestatter (Thema in Literatur/im Film) und Bestattung allgemein; Blut; Bühnentod; Giftmord; Heldentod; Henker; Kriegsfilm; Opfertod und andere.

Mittwoch, 11. April 2018

Ein neuer Verein für den jüdischen Friedhof in Münster


Grabmäler auf dem Jüdischen Friedhof in Münster
(Foto: Von Suedwester93 15:13, 6. Mai 2008 (CEST) -
Selbst fotografiert, Gemeinfrei,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50526964
Ende letzten Jahres hat sich in Münster ein neuer „Verein zur Förderung des Jüdischen Friedhofs an der Einsteinstraße Münster“ gegründet. Ein wichtiges Ziel des Vereins ist die Fortführung und Pflege der Website des Friedhofs mit ihrer wissenschaftlichen Dokumentation. Diese Dokumentation wurde seit 2012 in einem Projekt am Seminar für Exegese des Alten Testaments der Katholisch-Theologischen Fakultät erarbeitet und mit einem Festakt im März 2015 im Gemeindesaal der Jüdischen Gemeinde Münster freigeschaltet. Unter der Leitung von Prof. Dr. Marie-Theres Wacker haben der Theologe Ludger Hiepel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar, und andere über 400 Grabsteine des Friedhofes, die aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammen, für diese virtuelle Präsentation bearbeitet. Die Gräber können über einen interaktiven Plan oder über Personennamen angewählt werden. Die Seiten für die einzelnen Personenseiten zeigen Fotos der Grabsteine und ihre Inschriften mit Übersetzung aus dem Hebräischen, sowie weitere Informationen.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören sowohl der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Münster, wie weitere Gemeindemitglieder und die Universitätsangehörigen, die das Erfassungsprojekt initiiert haben. Inzwischen hat die Regierungspräsidentin die Schirmherrschaft für den Verein übernommen und unterstreicht damit das öffentliche Interesse an diesem besonderen Kulturdenkmal in Münster.

Als Ziele des Vereins werden u.a. die umfassende Aufarbeitung der Friedhofsgeschichte und eine kunsthistorische Erschließung der Grabsteine genannt, sowie die Auswertung der in den Inschriften greifbaren Informationen zur sozialen Zusammensetzung der Gemeinde.

Donnerstag, 22. März 2018

DenkMal Friedhof Ohlsdorf

Cover von "DenkMal Friedhof Ohlsdorf
Dieses neue Buch. das von der Willi-Bredel-Gesellschaft - Geschichtswerkstatt e.V herausgegeben worden ist, versammelt "33 Stätten der Erinnerung und Mahnung" auf dem Ohlsdorfer Friedhof, wie es im Untertitel heißt. Damit schließt es sich an den Führer derselben Gesellschaft an, der 1992 von Herbert Diercks herausgebracht wurde. Damals waren erstmals explizit die Grabstätten von Opfern der Naziherrschaft und des Widerstandes Thema eines Ohlsdorf-Buches. 

Das neue Buch ist umfassender angelegt. Es zeigt die Hamburger Geschichte anhand der Erinnerungsmale und Grabanlagen auf, in denen die Opfer von Krieg und Revolution, Diktatur und Widerstand, aber auch von Epidemien und Naturkatastrophen bestattet sind, beziehungsweise an denen ihrer gedacht wird. Diese besonderen Orte spiegeln wie in einem Kaleidoskop wichtige historische Ereignisse und sind zum Teil die einzigen Punkte innerhalb der Stadt, an denen die Erinnerung sozusagen noch mit den Händen zu greifen ist.

Zeitlich reicht die "Ohlsdorfer Erinnerungsskala" von der Hamburger Franzosenzeit am Beginn des 19. Jahrhunderts mit ihren Befreiungskämpfen bis zur Flutopferkatastrophe von 1962. Wie wichtig es ist, dass sachlich über diese geschichtlich bedeutenden Anlagen informiert wird, zeigen immer wieder die Versuche von unterschiedlichen Seiten diese Orte für die jeweils eigenen Ziele zu vereinnahmen und die Geschichte einseitig zu interpretieren.

Insgesamt haben sechszehn verschiedene Autoren an diesem Buch gearbeitet. Als Historiker, Psychologen und/oder interessierte Laien stellt jede und jeder eine oder mehrere Grabanlagen oder Gedenkstätten vor. (Auch ich habe drei Kapitel verfasst.) Das vollständige Inhaltsverzeichnis ist auf der Verlagswebsite einzusehen. Alle Autoren haben akribisch genau geforscht und belegen ihre Aussagen mit Zitat- und Literaturangaben. So machen viele bisher unbekannte Informationen über die Bestatteten und die Zeitumstände dieses Buch zu einer wichtigen Geschichtsquelle und einer bedeutenden Ergänzung der bisher vorliegenden Werke über den Ohlsdorfer Friedhof. Dabei sind auch frühere und heutige Auseinandersetzungen um Gedenkrituale in die Texte eingeflossen und zeigen die Bedeutung dieser Orte für den politischen Diskurs und für eine Erinnerungskultur, die nicht in dumpfe Heldenverehrung abgleitet. Zahlreiche bisher gar nicht oder nur selten veröffentlichte Fotos veranschaulichen dabei die Texte. Insgesamt ist dem Herausgeber Hans Matthaei zu danken, dass er die mühsame Arbeit auf sich genommen hat, die unterschiedlichen Autoren mit ihrem speziellen Fachwissen an dieser Stelle zusammenzubringen. Damit hat er dieses Buch erst möglich gemacht. 


DenkMal Friedhof Ohlsdorf, 33 Stätten der Erinnerung und Mahnung. Herausgegeben von der Willi-Bredel-Gesellschaft – Geschichtswerkstatt e.V., VSA Verlag, Hamburg 2018, 160 S., zahlreiche schw-w. Abb.,  12.80 Euro

Montag, 12. März 2018

100 Jahre Hauptfriedhof & Krematorium Plauen 1918-2018

Broschüre zum 100jährigen
Bestehen des Hauptfriedhofs in Plauen
Der Hauptfriedhof in Plauen feiert dieses Jahr sein hundertjähriges Bestehen. Dazu ist eine umfangreiche Broschüre erschienen und zugleich gibt es ein ganzjähriges Programm aus Festveranstaltungen und Führungen.

Die großformatige Broschüre widmet sich in einer bunten Reihe von kurzen Aufsätzen der Geschichte und den Grabdenkmälern des Hauptfriedhofes und beginnt dabei mit der allgemeinem Friedhofsge-schichte des Ortes, an der man sehr schön die Auslagerung der Bestattungen im 19. und 20. Jahrhundert verfolgen kann.
Breiten Raum nimmt der Bau des Krematoriums und damit der zentralen Feierhalle des Friedhofs ein. Der Bauplatz für dieses imposante Gebäude mit seiner wuchtigen Doppelturmfassade liegt so auf der Anhöhe inmitten des Geländes, dass die Trauergäste beim Verlassen der Haupthalle von einem großartigen Blick in die Ferne erwartet werden.

Der damalige Stadtbaudirektor Goette, der die parkartige Anlage entworfen hat, kommt mit einem Aufsatz aus dem Jahr 1927 selbst zu Worte. Gewürdigt wird daneben auch der Apotheker und Stadtverordnete Rudolph Bauer, der seine gärtnerischen und naturwissenschaftlichen Kenntnisse in die Friedhofsanlage einbrachte. Ein Rundgang zu einigen wichtigen Grabmalen schließt diesen Abschnitt ab. Im letzten Teil der Broschüre werden schließlich Aspekte von Bestattung und Trauer angesprochen: Es geht um den Wandel der Bestattungskultur, um Trauerarbeit, die Gestaltung von Urnen und die kirchliche Abschiedsfeier.

Insgesamt ist die informative Jubiläumsschrift reich mit eindrucksvollen Bildern vom Friedhof und vom Krematorium aufgelockert und professionell mit einem ansprechenden Layout durchgestaltet. Sie in Plauen in der Tourist-Information, im Stadtarchiv, im Vogtlandmuseum sowie in der Friedhofsverwaltung erhältlich und kostet 5 Euro.
  

Dienstag, 20. Februar 2018

Tierfriedhöfe

Die neue Ausgabe von "Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur" ist gerade mit dem Schwerpunktthema "Tierfriedhöfe" erschienen. Ulrike Neurath, Kustodin im Museum für Sepulkralkultur in Kassel, die im letzten Jahr über dieses Thema promoviert hat, beschreibt darin in zwei Beiträgen die Geschichte und Gegenwart der Tierbestattungen.

Ein weiterer Beitrag führt auf den Tierfriedhof am Wiener Zentralfriedhof. Und es gibt unter anderem auch eine Geschichte vom Ohlsdorfer Friedhof zu lesen, die mit einer toten Katze und dem Diebstahl einer Tasche zu tun hat ...

Die gedruckte Zeitschrift kann beim Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. bestellt werden (Das Jahresabo kostet 15,00 Euro, aber es können auch Einzelhefte gekauft werden).

(Übrigens findet man dieses Thema auch hier und hier in diesem Blog.)