Montag, 20. November 2017

Eine neue App für den Ohlsdorfer Friedhof

Ohlsdorf App auf dem iPhone
(Foto J. Holz 2017)
Im letzten Post habe ich schon auf die neue App hingewiesen, mit der sich der Ohlsdorfer Friedhof per Smartphone erkunden lässt. Sie ist zwar noch ausbaufähig, aber schon jetzt enthält sie über 700 Orte, darunter 580 Gräber von Prominenten, sowie Kapellen, Friedhofsgärtnereien und Grabanlagen, aber auch Hinweise auf alle Bushaltestellen, Toiletten, Notrufsäulen, Parkplätze und Eingänge, sowie die Öffnungszeiten. Per GPS wird der eigene Standort gezeigt, sowie - je nach Einstellung - z.B. die Gräber prominenter Persönlichkeiten und die jeweilige Entfernung zu einem bestimmten Ort. Mit der Suchfunktion lassen sich sogar die Friedhofskoordinaten anzeigen. Praktisch ist zum einen, dass das Kartenmaterial online und offline benutzt werden kann, zum anderen die leichte Handhabung.

Ich habe die App gerade auf dem Friedhof getestet und mich per GPS-Signal ein wenig führen lassen. Das funktionierte anfangs perfekt, dann allerdings verfing sich das Signal und wurde nicht mehr angezeigt, "wg. Zeitüberschreitung". Wenn man sich auf dem Friedhof nicht auskennt, kann man dann immer noch nach dem Wegeplan alles finden, was man sucht. Der blaue Punkt, wo man selbst ist, fehlt dann eben nur. Trotz dieses Problems ist die App bestimmt hilfreich, wenn man sich auf dem großen Ohlsdorfer Friedhof zurechtfinden will. Mich hat nur das kleine helle Feld rechts unten ein wenig gestört. Es zeigt an, wo sich der vergrößerbare Kartenausschnitt auf dem Friedhofsplan befindet. Aber dadurch wird der vergrößerbare Ausschnitt sehr eingeschränkt. Ruft man dann noch die Info zu einem Grab auf, dann sieht man den Plan fast gar nicht mehr. Das hat mich irritiert.

Die App ist in Deutsch und Englisch erhältlich und läuft auf Smartphones und Tablets (iOS ab 8.0 und Android ab 4.1).  Hier gibt es Informationen und weitere Bilder zur App, die für 1,09 Euro zu haben ist.

Samstag, 18. November 2017

#digina17 und die Zunkunft der Friedhöfe

Grabstätte Mackentum, Ohlsdorf
(Foto Leisner 1993)
Die digina, die gerade in München stattgefunden hat, ist eine Konferenz, in der es um das digitale Leben und speziell um den digitalen Nachlass und das digitale Nachleben geht; besonders um die Frage, wie man seine Daten organisiert, schützt, regelt und weitergibt. Das ist natürlich ein Thema, dass jeden angeht, der oder die das Internet nutzt und dort bewusst oder unbewusst Spuren hinterlässt. Doch inwieweit geht es auch Friedhofsfreunde an, die sich für historische Friedhöfe einsetzen?

Offenbar ist der Tod und sind die Friedhöfe inzwischen wieder mitten in der Gesellschaft angekommen. Die Verbindung zu historischen Friedhöfen und zu dort bestatteten bekannten Persönlichkeiten gilt anscheinend sogar als geschäftsfördernd - zumindest im virtuellen Bereich. So kommt die Seite friedhofguide.de/ sowohl mit ihrem Namen wie mit ihrer Startseite als Führer über deutsche Friedhöfe daher und springt damit auf den wachsenden Trend auf, historische Friedhöfe als touristische Ziele zu besuchen. Tatsächlich steht als Geschäftsmodell hinter dieser Seite aber ein viel breiteres virtuelles Dienstleistungsangebot. Es wendet sich sowohl an Friedhofsverwaltungen, Bestatter und andere Berufe, die mit dem Friedhof in Verbindung stehen, wie an Trauernde.

Erstere sollen über dieses Portal virtuelle Friedhofsrundgänge erstellen und damit auf ihre Geschichte und die historischen Persönlichkeiten, die dort bestattet sind, hinweisen. Bestatter sollen ihre Dienstleistungen um digitale Angebote erweitern können - z.B. indem sie Digitale Gedenkseiten für Hinterbliebene anbieten und Führer, die per Smartphone und GPS-Koordinaten Trauernde zum realen Grab bringt und mit Informationen darüber versorgt (sozusagen die neue "Digitale Grabpflege"!). Trauernden wird angeboten, die Erinnerung an Verstorbene dadurch lebendig zu erhalten, dass sie über das Portal die Friedhöfe mit ihren Gräbern, auf denen ihre Angehörigen beigesetzt sind, digitalisieren und virtuell miteinander verbinden. (Hier stehen mehr Infos zu dieser Website!)

Werden wir in Zukunft also nur noch virtuell Friedhöfe besuchen? Das ist nicht zu erwarten, obwohl es tatsächlich schon viele Angebote gibt, am Computer historische Friedhöfe zu entdecken oder sich mit Hilfe des Smartphones über ihre verschlungenen Pfade zu Grabmälern bedeutender Persönlichkeiten führen zu lassen (siehe meinen nicht gehaltenen Vortrag in der Schwabenakademie Irsee). Gerade ist eine solche App auch für den Ohlsdorfer Friedhof auf den Markt gekommen.

Solche neuen Angebote machen aber auch klar, dass Start-ups in den Startlöchern stehen um nun auch die Realität des Todes mit seinen vielfältigen Facetten in der virtuellen Welt abzubilden und daraus neue Verdienstmöglichkeiten zu generieren. Verwaltungen von historischen Friedhöfe sollten sich überlegen, ob sie nicht lieber selbst endlich damit beginnen, den Hinterbliebenen und damit ihren eigenen Kunden virtuelle Angebote zu machen, anstatt diese Möglichkeit an andere zu verschenken.

Samstag, 28. Oktober 2017

Förderverein in Dortmund restauriert Kindergräber

In Dortmund wurde im September des letzten Jahres ein Förderverein für den Nordfriedhof gegründet.  Joachim vom Brocke hat darüber in einem Post auf seinem Blog "Nordstadtblogger: Aus der Nordstadt – über die Nordstadt – Nachrichten aus Dortmund" ausführlich berichtet. Leider scheint der Verein keine weitreichende Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, denn bisher habe ich noch keine Website von ihm gefunden.

Grabmal in Grottenform für die einjährig verstorbene
Wilhelmine Bach, gest. 1905, Foto: Ole Steen/Die Nordstadtblogger
Dafür berichteten aber die Nordstadtblogger im Juli dieses Jahres über einen ersten Erfolg des Vereins: Ein Bestattungsunternehmen hat fünf Grabmale für Kinder vom Anfang des letzten Jahrhunderts restaurieren lassen. Aufgrund der Initiative des Friedhofsverwalters wurden sie zudem neu entlang des Hauptwegs zur Trauerhalle aufgestellt.

Bei den Grabmalen handelt es sich um zeittypische schlichte kleine "Grottengrabmale", deren Form aus einem Rahmen besteht - meistens aus Sandstein gehauen oder aus Kunststein gegossen -, der oft die Form von Steinquadern hat, sowie einer darin eingelassenen Schriftplatte aus schwarzem Glas oder Granit, bzw. weißem Marmor. Die Schrift ist häufig noch vergoldet. Viele Grotten haben zudem einen Aufsatz z.B. in Form eines Kreuzes. Bei zwei Grabmalen sieht man auf dem Bild, dass solche Aufsätze einstmals vorhanden waren.

Der Förderverein plant außerdem zwei Ruhebänke an diesem Weg aufzustellen, damit ältere Friedhofsbesucher auf dem Weg vom Parkplatz bis zur Trauerhalle eine Pause einlegen können.

Traurig sind die Mitglieder des Fördervereins immer noch über einen Bronzediebstahl, bei dem im letzten Jahr eine historische Bronzestatue und eine Bronzeplatte vom Friedhof entfernt wurden. Man überlegt, wie die Leerstelle gefüllt werden könnte.

Donnerstag, 14. September 2017

Transmortale VIII - Call for paper

Knochenkapelle in Evora, Portugal
(Foto Leisner)
Die transmortale VIII findet 2018 wieder im Museum für Sepulkralkultur in Kassel statt. Wie immer
ist das Ziel des Workshops, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen die Möglichkeit zu geben, ihre neuen Forschungsperspektiven in Kurzreferaten vorzustellen und diese in einer größeren Runde zu diskutieren. So können aktuelle Fragen und Ergebnisse interdisziplinär beleuchtet und inhaltliche Gemeinsamkeiten transdisziplinär zusammengeführt werden.

Der Workshop findet am Samstag, den 10. März 2018 statt und wird gemeinsam von der Universität Hamburg (Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie und Historisches Seminar) und dem Museum/Institut für Sepulkralkultur veranstaltet.

Wer sein Forschungsprojekt in einem Vortrag oder einer Präsentation vorstellen möchte (max. 20 Minuten), sendet seinen Themenvorschlag (mit Abstract von max. einer Seite nebst Curriculum Vitae) bis zum 3. November 2017 an: niedermeyer@sepulkralmuseum.de  

Freitag, 8. September 2017

Macht und Pracht - der Tag des offenen Denkmals 2017

Das Innere des Mausoleums Riedemann auf
dem Ohlsdorfer Friedhof
(Foto Peter Schulze 2008)
Wer an diesem Wochenende noch nicht weiß, was er oder sie tun soll, dem kann man auch dieses Jahr wieder den Tag des offenen Denkmals empfehlen. Diesmal steht er unter dem Motto "Macht und Pracht" und passt damit wie angegossen auf die vielen großen Mausoleen und aufwändigen Grabmale, die auf historischen Friedhöfen zu entdecken sind.

Jasmin Dickel hat dazu auf ihrem Friedhofsblog eine ganze Reihe von Veranstaltungen zusammengetragen, die in ihrem Umkreis stattfinden. ich füge hier noch den Hinweis auf die Führungen des Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. hinzu, die ich schon auf der Seite des Vereins bei Facebook veröffentlicht habe, sowie die Möglichkeit die Fritz-Schumacher-Halle des Forums Ohlsdorf näher kennenzulernen.

Wer weitere Veranstaltungen sucht, sei auf das allgemeine Programm verwiesen, in dem aber offenbar nicht alle Teilnehmer ihre Veranstaltungen gemeldet haben den Ohlsdorfer Friedhof findet man dort z.B. nicht!). Deswegen bietet es sich an nach der eigenen Stadt im Internet mit dem Stichwort "Tag des offenen Denkmals" zu suchen. Viele Orte geben nämlich ihre eigenen Programme heraus. So findet sich z.B. im Hamburger Programm auch der Historische Mennonitenfriedhof in Altona; die von Fritz Schumacher 1926 entworfene Kapelle auf dem Alten Friedhof Finkenwerder; die Kirche St. Severini zu Kirchwerder mit einem Friedhof, der über den umfangreichsten Bestand wertvoller Grabplatten des 16.–19. Jh. in den Vier- und Marschlanden verfügt; die Christianskirche in Ottensen, mit ihrem Friedhof, auf dem sich das Grab des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock befindet, und das Schimmelmann-Mausoleum und der historische Friedhof der Christuskirche in Wandsbek.

Freitag, 28. Juli 2017

Highgate Cemetery at a crossroads - eine Ausstellung in London und im Internet

Bildausschnitt aus der Online-Ausstellung
des Highgate-Friedhofs in London
Der Highgate Cemetery in London ist einer der ersten, für den sich ein eigener Freundeskreis gebildet hat. Die "Friends of Highgate Cemetery" haben aufgrund ihres Engagement für die Erhaltung ihres Friedhof schließlich sogar die Verwaltung und damit ganzen Betrieb übernommen. Nun haben sie vor Ort und im Internet eine Ausstellung zusammengestellt, weil sie den Eindruck haben, dass nach 178 Jahren Friedhofsbetrieb heute ein Punkt erreicht ist, an dem - ähnlich übrigens wie beim Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg - wichtige Entscheidungen über die Zukunft getroffen werden müssen.

Sie schreiben in ihrem Vorwort zur Ausstellung, dass die Flächen für die Bestattung bald zu Ende gehen und dass Bäume Gräber und Denkmäler zerstören. Da Nichtstun keine Option sei, bitten Sie ihre Besucher mitzuhelfen die richtigen Antworten zu finden. In zahlreichen Gegenüberstellungen von historischen Fotos mit dem heutigen Zustand, zeigt die Ausstellung im Internet, wie stark sich der Friedhof sich im Laufe der Zeit verändert hat. Auf anderen Bildern sieht man den teilweise traurigen Zustand der Grabmale in bestimmten Bereichen. Die Ausstellung wirft auch die Frage auf, wie viele Besucher der Friedhof verträgt.

Die Freunde des Friedhofs haben einerseits durch ihre Arbeit schon viel für den Friedhof erreicht, doch andererseits fürchten sie, dass er langsam durch Bäume, Efeu und die Auswirkungen der Zeit zerstört wird. Um an die die nächste Generation einen historischen Ort weiterzugeben, der seine Bedeutung gewahrt hat und zugleich finanziell tragfähig bleibt, wollen sie einen Entwicklungsplan erstellen. Deshalb bitten sie ihre Besucher einen Fragebogen auszufüllen, der bei der Planung helfen soll.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Bestattungskulturen im Wandel

Seit mehreren Jahren findet an der Hamburger Universität im Rahmen des Allgemeinen Vorlesungswesens eine Ringvorlesung statt, die sich mit Themen rund um Sterben, Tod und Bestattung beschäftigt. Die Vorträge des Sommersemesters 2016 sind jetzt in dem Band "Bestattungskulturen im Wandel" der Online-Zeitschrift "Ethnoscripts" Band 19, 2017, Nr. 1 nachzulesen. Diese Zeitschrift lässt sich kostenlos von der Website der Hamburger Staatsbibliothek herunterladen.

Folgende Beiträge sind dort versammelt: Daniela Hofmann: Endstation Friedhof? Bestattung und materielle Kultur im Wandel; Andreas Ströbl: Sarg und Grabmal – Wechselspiele zwischen Repräsentation und Verhüllung; Jan Budniok/Andrea Noll: Tod und Druckerschwärze. Begräbnisbroschüren als Erinnerungsorte der ghanaischen Mittelklasse; Frank André Weigelt: Kein Platz unter der Sonne. Über Wandel und Beständigkeit bei der Bestattung zoroastrischer Parsen in Hongkong; Norbert Fischer: Körper – Asche – Natur: Über Transformationen des Leichnams durch
Krematoriumsbau und Feuerbestattung vom späten 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart; Gerrit Spallek: Friedhof und Bestattung in den Augen der katholischen Kirche und als Ort der Theologie.

Dienstag, 18. Juli 2017

Die Grabmalkunst von Karl Friedrich Schinkel

Buchcover: Rehberger, Schinkel
Mit diesem Buch hat Lena Rebekka Rehberger erstmals einen breit angelegten wissenschaftlichen Katalog der von Schinkel entworfenen Grabmäler vorgelegt, verbunden mit einer ausführlichen kunsthistorischen und gesellschaftspolitischen Einordnung dieser sepulkralen Werke. Dabei besticht ihr Werk als opulenter Bild- und Textband durch seine zahlreichen exzellenten Abbildungen, die teilweise in Farbe wiedergegeben sind.

In der Einleitung definiert Rehberger die Entwurfszeichnungen Schinkels für Grabmale und Mausoleen sowie die davon ausgehenden ausgeführten Werke als ihren Untersuchungsgegenstand. Bis dato waren diese Kunstwerke noch nie als Konvolut behandelt worden. Deshalb nennt sie als Ziel, "durch Analyse und Deutung von Schinkels gesamter Grabmalkunst mit Bezugnahme auf die zeitgenössische Trauerbewältigung und den kulturpolitischen Hintergrund die spezifische Rolle" des Künstlers für die Entwicklung der Sepulkralkunst herauszuarbeiten.

Dabei vergisst die Autorin nicht den bisherigen Forschungsstand zu umreißen und ihre Quellen zu benennen, deren Fülle beeindruckend ist. Die Autorin hat sowohl die in Stein oder in Metall ausgeführten Grabmale und Mausoleen in ganz Deutschland und Polen ermittelt und persönlich besichtigt, wie bei der Zuordnung der Entwurfszeichnungen zu den ausgeführten Werken zahlreiche Archive und Museen zu Rate gezogen.

Sonntag, 2. Juli 2017

Audiowalk über den Alten Friedhof in Gießen

Webseite mit dem neuen Audiowalk für den Gießener Alten Friedhof
Vor wenigen Tagen haben Studierende der Fachjournalistik Geschichte ihren neuen Audiospaziergang „Erzählungen vom Tod – Begräbniskultur und Mentalität im Wandel der Zeit“ auf dem Alten Friedhof in Gießen vorgestellt.

Das Projekt ist im letzten Semester an der Justus Liebig Universität entstanden, geleitet von der Historikerin Dr. Eva Maria Gajek und dem Redakteur des Hessischen Rundfunks Kevin Arnold. Zusammengearbeitet haben die Studenten zudem mit einer Produktionsfirma und dem Garten- und Friedhofsamt der Stadt Gießen.

Der Audiowalk ist im Internet veröffentlicht und kann so auch mit Smartphone oder Tablet vor Ort abgerufen werden. In insgesamt zwölf Audios von bis zu sechs Minuten Länge erzählen die Studierenden Geschichten über bekannte Persönlichkeiten der Stadt, aber auch über die Baugeschichte und die Begräbniskultur auf dem Alten Friedhof. Erarbeitet wurden die Beiträge anhand von Dokumenten im Stadtarchiv Gießens, Interviews, zeitgenössischen Berichten und Literatur.

Mit eindrucksvollen Audios, in denen die Erzählstimmen mit unterschiedlichen Klangkulissen hinterlegt sind, werden Geschichte und Gegenwart an Ort und Stelle akustisch erfahrbar. Auch wenn mir beim Ansehen der neuen Internetseite auffiel, dass auf der Seite mit dem Friedhofsplan unter dem Punkt "Stationen des Audiowalks" nur sieben Audios zu erkennen und anzuklicken sind, und auch wenn ich anfangs verwirrt war, als ich beim Audio "Friedhofssymbolik" erst einmal etwas über die Figur des Thanatos hörte, aber auf dem Bild einen Engel sah - auf den im Audio später dann noch eingegangen wird, beglückwünsche ich die Studenten zu ihrer gelungenen Arbeit und wünsche mir solche Audiospaziergänge für mehr historische Friedhöfe!

Dienstag, 13. Juni 2017

Neue Ideen - Friedhofsführungen und Veranstaltungen 2017

Grabmal auf dem Ohlsdorfer Friedhof (Foto Leisner)
Ich versuche immer mal wieder aus dem Internet neue Ideen zu fischen und darauf hinzuweisen, welche interessanten Aktivitäten die Fördervereine für historische Friedhöfe anbieten. Manchmal kann man ja auch von anderen etwas lernen!

Besonders phantasievoll ist diesem Jahr zum Beispiel das Programm des Stahnsdorfer Südwestkirchhofes. Dort gibt es Anfang Juli dreimal einen Musikalischen Sommerabend mit dem Titel "Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden" zu erleben, in dem in einer Symbiose aus Poesie, Tanz, Musik und Videoprojektionen versucht wird, dem Geheimnis von Leben und Tod nachzuspüren. Verbunden ist diese Veranstaltung mit Kurzführungen, Jazzmusik & Catering in der norwegischen Holzkapelle, sowie einer Bilderausstellung im Mausoleum Caspary.

Aufgefallen ist mir auch das Programm der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofes in Bonn e.V., die 2017 bei ihren Führungen ausgesuchte Themen anbieten, so gibt es dort zum Beispiel eine Führung zu Frauengräbern, zu Ruhestätten von Musikerinnen und Musikern, es werden Grabstätten als Spiegelbild geistiger Strömungen des 19. Jahrhunderts besucht, Portrait-Darstellungen besichtigt, die Denkmalpflege als neue kulturpolitische Aufgabe des 19. Jhs. an neugotischen Grabmalen erläutert oder die Geschichte der Bonner Universität an Hand von Professorengräbern vorgestellt. Besonders ungewöhnlich finde ich aber, dass es nicht nur regelmäßig Konzerte und Lesungen auf dem Friedhof gibt, sondern auch zu einer musikalischem Führung mit dem Bläserquintett Eigelstein Brass und Mitgliedern des Philharmonischen Chores der Stadt Bonn eingeladen wird. Auf diesem Rundgang gibt es Wissenswertes zu den verschiedenen Kunst- und Grabdenkmälern ebenso zu hören wie musikalische Beiträge.

Die weibliche Seite der Bestattungskultur ist auch anderswo Thema. Hier nurnoch ein Beispiel: Die Freunde der Zwölf-Apostel-Kirchhöfe in Berlin werden zu einer Führung mit dem Titel "Weibliche Symbole in der Begräbniskultur" eingeladen. Dazu heißt es im Informationsstext unter anderem: Im 19. Jahrhundert waren Grabgestaltungen mit Frauenskulpturen weit verbreitet. Warum war das so? Welches Frauenbild vermitteln sie? Und warum gibt es erotische Darstellungen auf Friedhöfen? Besucht werden auch Gräber von interessanten Frauenpersönlichkeiten. Und es wird an Frauen erinnert, deren Gräber verschwunden sind.

Auf demselben Friedhof werden auch "Pflanzenerlebnisführungen" angeboten, bei denen man auf dem Friedhof Pflanzen entdecken, sich über ihre Heilwirkung informieren und sie sogar gleich vor Ort verkosten kann, da viele essbar sind. Und es gibt sogar Führungen zum Thema Honig, da sich auf diesem Friedhof eine Imkerin um die Bienen kümmert.

Natürlich veranstaltet auch Dr. Anja Kretschmer wieder ihr Friedhofsgeflüster, das inzwischen auf immer mehr Friedhöfen stattfindet. Aber darauf habe ich hier ja schon öfter hingewiesen.


Freitag, 9. Juni 2017

Versunkene Seelen - Begräbnisplätze ertrunkener Seeleute im 19. Jahrhundert

Cover von Jürgen Hasse, Versunkene Seelen
Schon in meinem Post zu dem Buch "Das Mittelmeer und der Tod" habe ich auf den Beitrag von Jürgen Hasse über den Umgang mit Strandleichen im Mittelmeerraum hingewiesen. Dadurch bin ich auf sein Buch über den Umgang mit vom Meer angeschwemmten Toten aufmerksam geworden, das im letzten Jahr im Herder Verlag erschienen ist. Das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung sind im Internet nachzulesen.

Hasse verortet seine Untersuchung theoretisch in der Phänomenologie. Das heißt, dass er für die Erkenntnisgewinnung unmittelbar von gegebenen Erscheinungen, also den Phänomenen, ausgegeht. Er setzt dabei auf das Konzept der "leiblichen Kommunikation" als eine grundlegende Form der menschlichen Wahrnehmung. Das Fernbleiben des Seemanns und sein immer wahrscheinlicher werdender Tod ist deshalb für ihn nicht ein "einfaches Beispiel für die Trauer; es steht vielmehr für die tragische Trauer".  In diesem Fall spende die Kunst in besonderer Weise Trost, "indem sie dem Gefühl der Trauer durch Innewerden zu Autorität und Geltung verhelfe" (S. 39). So gibt er denn auch schon in seiner Einleitung einen - sehr knappen - Überblick über "Schiffbruch und Seemannstod im Spiegel der Kunst" und erkennt in den Kunstwerken die "Ästhetische Veredelung des Grauen im Erhabenen" und die "Evozierung von Stimmungen".

Montag, 22. Mai 2017

140 Jahre Ohlsdorfer Friedhof

Im Förderverein Ohlsdorfer Friedhof e.V. haben wir das zweite Heft unserer vierteljährlichen Zeitschrift dem 140. Jubiläum der Friedhofseinweihung gewidmet.

Wir berichten nicht nur von der Friedhofsgeschichte und der gegenwärtigen Entwicklung (siehe auch meinen Tagungsbericht), sondern auch von den ersten beiden Friedhofsdirektoren, deren Tod einhundert bzw. siebzig Jahre zurück liegt, sowie von anderen Hamburger Persönlichkeiten, deren Todesdaten sich ebenfalls jähren.

Wie immer kann man das Heft im Druck vom Förderkreis beziehen und auch Internet lesen (der Förderkreis freut sich natürlich über Spenden!)

Sonntag, 21. Mai 2017

Friedhof der Unschuldigen - Ein "Friedhofsroman"

Cover von Miller, Friedhof
der Unschuldigen
Diesmal habe ich kein Sachbuch gelesen, sondern einen spannenden Roman, der im Paris des ausgehenden 18. Jahrhunderts spielt und die Räumung des Cimetière des Innocents zum Thema hat.  Der englische Autor Andrew Miller ist dazu durch die Lektüre von Philippe Ariès berühmter „Geschichte des Todes“ angeregt worden. Er beschreibt, wie der junge Ingenieur Jean-Baptiste Baratte beauftragt wird, den Friedhof und die angrenzende Kirche zu zerstören.

Der Roman ist spannend zu lesen und enthält dazu eine ganze Menge Information über die Ausräumung des überbelegten Friedhofs, der seine Umgebung verpestete und mit dem eine Welle von Friedhofs-Verlegungen in Frankreich begann, die auf ganz Europa übergriff.

Andrew Miller, Nikolaus Stingl (Übersetzer), Friedhof der Unschuldigen. Roman bzw. Hörbuch. Das Original erschien 2011 unter dem englischen Titel "Pure" (auf Französisch heißt er "Dernier Requiem pour les innocents")

Montag, 15. Mai 2017

Tagung: Öffentliche Leistungen und Funktionen aktiver Friedhöfe

Grabmal auf dem Ohlsdorfer Friedhof (Foto Leisner 2017)
Am Montag, 29. Mai 2017, veranstaltet der DBU eine Tagung, in der die Ergebnisse der von ihm geförderten interdisziplinären Forschungsarbeit zur Zukunftssicherung der Friedhöfe vorgestellt werden. Sie reichte über den Zeitraum von 2013 bis 2016 und weist nach, dass öffentliche Haushaltsmittel sinnvoll angelegt sind, weil die Zukunftssicherung der Friedhöfe von großem
öffentlichem Interesse ist. Mit der Tagung soll eine Diskussion zur Bedeutung aktiver Friedhöfe im urbanen Raum angeregt werden, die natürlich auch historische Friedhöfe betrifft. Darüber hinaus wird ein Pilotprojekt zur weiteren Validierung der Forschungsergebnisse vorgestellt, das ebenfalls fachlich diskutiert werden soll.

Das Programm der Tagung ist im Internet veröffentlicht. Der Tagungsort ist das DBU Zentrum für Umweltkommunikation gGmbH, An der Bornau 2, 49090 Osnabrück. Anmeldeschluss ist der 22. Mai 2017, online an unter: https://www.dbu.de/veranstaltungFriedhof oder per E-Mail an j.spanier(bei)dbu.de.

Freitag, 12. Mai 2017

Tagungsbericht: Ohlsdorf 2050 - Nachhaltige Friedhofsentwicklung


Vortrag von Prof. Dr. Gabriele Dolff-Bonekämper
Gartenarchitekten, Friedhofsverwalter, Gärtner, ebenso wie Historiker und Denkmalpfleger kamen auf dem Ohlsdorfer Friedhof, um sich über die Friedhofentwicklung und speziell die aktuellen Planungen für die Ohlsdorf zu informieren. Die international angelegte Tagung fand im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie "Ohlsdorf 2050" statt und war mit etwa hundert Teilnehmern sehr gut besucht. Gefördert wird die Zukunftsstrategie vom Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Modelle für eine angepasste und nachhaltige Friedhofspflege sollen dabei erarbeitet und eine dauerhafte Finanzierbarkeit gesichert werden. Außerdem besteht die Vorgabe wirtschaftliche und umweltrelevante Ziele sowie Denkmalpflege und kulturelle Anforderungen zusammenzuführen, so dass die Ergebnisse auf andere Friedhöfe übertragbar sind.

In den Begrüßungsansprachen wurde betont, dass es nicht nur um die Bewahrung von Grünflächen für die Zukunft und die Verstetigung des bürgerschaftlichen Engagements geht, sondern auch darum Konfliktpotentiale zwischen unterschiedlichen Nutzungsansprüchen zu erkennen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Frage: Was sind Friedhöfe heute? Einige Antworten ergaben die anschließenden Vorträge, die in die vier Bereiche „Friedhöfe als kulturhistorische Orte“, „Zukünftige Friedhöfe“, „Erinnerung und Trauer verändern sich“ und „Aufbruch in Ohlsdorf“ gegliedert waren.

Freitag, 14. April 2017

OHLSDORF 2050 – NACHHALTIGE FRIEDHOFSENTWICKLUNG

Grabfeld aus den 50er Jahren auf dem Ohlsdorfer Friedhof
(Foto Leisner)
Ein kurzer Hinweis auf die Tagung "OHLSDORF 2050" im Forum Ohlsdorf am 27. und 28. April 2017. Die Anmeldefrist ist leider schon abgelaufen. Ich selbst werde dort sein und hier berichten.

Die Tagung mit internationalen Gästen gehört zur Entwicklung der "Nachhaltigkeitsstrategie Ohlsdorf 2050", die im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert wird. Dabei soll die Friedhofsentwicklung "auch mit einem Blick über die Grenzen Deutschlands" beleuchtet werden. Der aktuelle Stand der Strategie für den Ohlsdorfer Friedhof wird ebenfalls vorgestellt werden. Das Programm ist hier veröffentlicht.

Montag, 3. April 2017

Die Zukunft des Todes - Heterotopien des Lebensendes

Cover von
Benkel, Die Zukunft des Todes
Thorsten Benkel hat zusammen mit Matthias Meitzler inzwischen eine mehrere Bücher und eine Vielzahl von Beiträgen verfasst, in denen der Umgang mit dem Tod und besonders die Friedhöfe aus dem Blickwinkel soziologischer Forschung betrachtet werden. Über ihre Untersuchungen zum Wandel der Bestattungskultur berichten sie auf einer eigenen Website. Außerdem läuft seit noch nicht allzu langer Zeit am Lehrstuhl für Soziologie der Universität Passau ihr neues empirisches Forschungsprojekt mit dem Titel "Die Pluralisierung des Sepulkralen".

Für den von ihm herausgegebenen Sammelband zur Zukunft des Todes hat Thorsten Benkel eine Reihe von namhaften Persönlichkeiten um Beiträge gebeten (s. Inhaltsverzeichnis). Es geht ihm dabei, wie der Untertitel "Heterotopien des Lebensendes" deutlich macht um die Räume, in denen das Lebensende und das Abschiednehmen vor sich gehen. Im Rückgriff auf Foucault definiert er schon im Titel diese Räume als Heterotopien, grob übersetzbar als "Andersräume" oder (mit Wikipedia) als "Räume bzw. Orte und ihre ordnungssystematische Bedeutung" und das bedeutet zugleich Räume, die Normen, welche zu ihrer Zeit gelten, "nur zum Teil oder nicht vollständig umgesetzt haben oder die nach eigenen Regeln funktionieren".  

Donnerstag, 30. März 2017

Vor 25 Jahren wurde das Museum für Sepulkralkultur in Kassel eingeweiht

Ausstellungsbereich zum Tod in Mexiko
im Museum für Sepulkralkultur (Foto Leisner 2014)
Ist es wirklich schon 25 Jahre her? Oder sollte man besser fragen, gibt es das Museum wirklich erst seit so kurzer Zeit? Tatsächlich hatte der Tod lange keinen Stellenwert in der deutschen "Nachkriegswelt". Die Menschen hatten den Krieg erlebt. Sie hatten ihre Verwandten und Freunde verloren. Tod und Trauer wurden tabuisiert.

Der Gründungsvater des Museums aber, der damalige Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal Hans-Kurt Boehlke, setzte sich trotzdem beharrlich dafür ein ein Museum, das die Kultur des Todes bewahren und ausstellen sollte, in seiner Geburtsstadt Kassel einzurichten. Ihm war es 1960 gelungen den Sitz der Arbeitsgemeinschaft von Bonn nach Kassel zu verlegen. 1979 entstand dann parallel dazu ein neues Institut für Sepulkralkultur, aus dessen Arbeit und Sammeltätigkeit das Museum hervorging. Ein Ziel war es dabei den Besuchern die Berührungsängste mit dem Tod zu nehmen. Das scheint gelungen. Nachdem anfangs der Schwerpunkt auf der Ausstellung volkskundlich-thematischer Objekte lag, also Zeugnisse der Bestattungs- und Trauerkultur zu sehen waren, rückten nach der Jahrtausendwende der Tod und die Toten, ja das Sterben selbst weiter in den Focus. Mit aufsehenerregenden Ausstellungen wie z.B. "Noch mal Leben", in der die Fotografien von Walter Schels und die Texte von Beate Lakotta zu sehen waren, die Totgeweihte vor und nach ihrem Tod zeigen, kamen neue Besucherschichten in das Museum.

Jetzt wird geplant die Schausammlung komplett neu zu strukturieren. Und wenn das Museum endlich einen neuen Leiter hat, wird wahrscheinlich auch noch gefeiert!


Mittwoch, 29. März 2017

Kulturprogramm für die Zwölf-Apostel-Kirchhöfe in Berlin

Gerade habe ich eine Mail erhalten, die den Start des diesjähriges Kulturprogramm auf den Zwölf-Apostel-Kirchhöfen in Berlin mit zahlreichen Veranstaltungen ankündigt.

Leider finde ich im Netz kein Gesamtprogramm, aber ich möchte immerhin auf die erste Veranstaltung in diesem Jahr hinweisen. Mit dem Dokumentarfilm "PFARRERS KINDER- Punks, Politiker und Philosophen" von Angela Zumpe,wird die Reihe  „Kino in der Kapelle“ fortgesetzt und zwar am Freitag, den 7. April 2017, um 19 Uhr, Alter Zwölf-Apostel-Kirchhof, Kolonnenstraße 24-25, 10829 Berlin-Schöneberg. Die Regisseurin ist anwesend, der Eintritt frei. Für den Film wurde auch im Gemeindehaus von Zwölf Apostel gedreht. Nach dem Film gibt es die Möglichkeit zum Gespräch mit der Filmemacherin bei einem Glas Wein oder Saft.


Montag, 13. Februar 2017

Das Mittelmeer und der Tod

Titelseite von Das Mittelmeer und der Tod
In dem Band "Das Mittelmeer und der Tod. Mediterrane Mobilität und Sepulkralkultur" sind die Beiträge einer gleichnamigen Tagung im Jahr 2015 versammelt, in der ein interdisziplinärer Blick auf die sepulkrale Geschichte und Gegenwart des Mittelmeerraumes geworfen wurde.

Für das Thema "Historische Friedhöfe", dem dieses Blog gewidmet ist, sind allerdings nur wenige Beiträge relevant, da sich viele mit abgelegen archäologischen Einzelthemen befassen, wie man dem Inhaltsverzeichnis leicht entnehmen kann. Trotzdem sei hier auf einzelne Studien hingewiesen: So fasst Norbert Fischer in seinem einführenden Aufsatz seine Forschungen über den maritimen Tod und maritime Gedächtnislandschaften zusammen. Hans-Peter Laquer fragt nach den sozialen Aspekten, die die Wahl des Bestattungsortes in Istanbul hatte, und gibt dabei zugleich einen kenntnisreichen Überblick über die Friedhofsgeschichte dieser Weltstadt. Dieter Richter stellt an den in Italien angelegten „Cimiteri acattolici“ die Ausgrenzung Andersgläubiger im Sinne einer Schärfung der eigenen Identität dar, die sich historisch erst im Rahmen monotheistischer Religionen fassen lässt. Ihr ältestes Beispiel, der Friedhof für Protestanten in Rom, feiert übrigens gerade in diesem Jahr sein 300 jähriges Bestehen. Thorsten Kruse stellt dar, wie sich die zerrissenen politischen Verhältnisse auf Zypern nach der Teilung der Insel im Jahr 1974 im Umgang mit den Grabstätten der jeweils anderen Partei widerspiegeln. Jürgen Hasse berichtet über seine Forschungen über den Umgang mit Strandleichen im Mittelmeerraum, deren Bestattung kaum durch Quellen belegt ist. Dagegen wenden sich Nefeli Angeliki Bami und Reiner Sörries der Gegenwart zu und haben jeweils unter einer bestimmten Perspektive das Thema Migration in den Mittelpunkt ihrer Untersuchungen gestellt.

Damit sind die Beiträge zu historischen Friedhöfen benannt. Daneben enthält der umfangreiche Band natürlich noch eine Reihe von weiteren Beiträgen, die weit in die antiken Kulturen zurückreichen und sehr unterschiedliche Quellen untersuchen.

Insgesamt ergeben die unterschiedlichen thematischen Kombinationen und die interdisziplinäre Ausrichtung in diesem Tagungsband spannende Korrelationen bzw. Gegensätze zwischen einzelnen Aspekten und Herangehensweisen. Wie die Herausgeber anmerken, ist das Thema damit allerdings noch lange nicht abschließend behandelt, was bei der Fülle der zeitlichen, kulturellen und räumlichen Aspekte, die darin angerissen werden, auch nicht verwundert.

Alexander Berner, Jan-Marc Henke, Achim Lichtenberger, Bärbel Morstadt, Anne Riedel (Hg.)
Das Mittelmeer und der Tod. Mediterrane Mobilität und Sepulkralkultur. Verlag Wilhelm Fink, Paderborn 2016, 543 Seiten, zahlr. schw.-w. Abb.

Sonntag, 29. Januar 2017

Transmortality International: "Materiality and Spatiality of Death, Burial and Commemoration


In diesem Jahr findet zwar keine Transmortale in Kassel statt, dafür aber die "Transmortality International", die mit einem breiten Themenspektrum zur Materialität und Räumlichkeit von Tod, Bestattung und Erinnerung aufwartet, an dem auch deutsche Vortragende beteiligt sind. Das Programm und die Anmeldungsmöglichkeiten stehen im Flyer.

Flyer der Transmortality International




Dienstag, 17. Januar 2017

Bd. 5 "Großes Lexikon der Bestattungskultur" ist erschienen!


Bd. 5, Großes Lexikon der Bestattungskultur
Das Kasseler „Große Lexikon der Bestattungskultur“, herausgegeben vom Kasseler Zentralinstitut für Sepulkralkultur, ist jetzt um den Band 5 angewachsen. Allerdings steht der Band 4 noch aus. Das gerade herausgekommene Buch ist den Männern und Frauen – die Männer befinden sich auch hier einmal wieder eindeutig in der Mehrzahl – gewidmet, deren Wirken in den Bereichen der Sterbe-, Bestattungs-, Friedhofs-, Trauer- und Erinnerungskultur besonders bedeutsam war und ist. Es werden sowohl Persönlichkeiten der Gegenwart vorgestellt, die innovativ an der Entwicklung der Sepulkralkultur teil hatten und haben, wie historische Personen, die für die Geschichte der Bestattung bedeutsam waren.

Da ich selbst an diesem Buch mitgeschrieben habe, kann ich sagen, dass man darin eine Vielzahl von interessanten Charakteren kennen lernen kann. Gerade über die jüngste Vergangenheit mit ihren vielen neuen Ideen und Protagonisten kann man sich hervorragend informieren, besonders da das Stichwortverzeichnis am an Ende die unterschiedlichen Namen noch einmal unter verschiedenen Aspekten zusammenfasst. So kann man sich z.B. umfassend ebenso über die Friedhofsreformer im 20. Jh. wie über Extropianer der Gegenwart informieren. Extropianer sind übrigens Jünger von Thimothy Leary, der im letzten Jahrhundert durch seine Drogenexperimente auf sich aufmerksam machte. Er propagierte den Glauben an eine mögliche Lebensverlängerung bis zur Unsterblichkeit.

Querverweise auf die bisher erschienenen Bände 1-3 – sie decken die Bereiche Volkskunde und allgemeine Kulturgeschichte, Archäologie und Kunstgeschichte, sowie Gegenwart und Praxis ab – ermöglichen zudem einen breiten Zugang zu den unterschiedlichsten Themenbereichen. So ist mit dem neuen Band das groß angelegte Lexikon der Bestattungskultur noch umfassender geworden.

Zentralinstitut für Sepulkralkultur Kassel (Hg.), Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur. Wörterbuch zur Sepulkralkultur, Band 5: Biographien, bearbeitet von Reiner Sörries u.a., Fachhochschulverlag 2017, 265 S., zahlreiche schw.-w. Abb.  Preis: 44.00 €

Montag, 9. Januar 2017

"O Ewigkeit, du Donnerwort"

Unter diesem Titel lädt die Arbeitsgruppe Sächsische Gartengeschichte in Dresden zu seinem 10. Kolloquium im Jahr 2017 ein:


Programme und Kurzberichte der bisherigen Kolloquien sind hier veröffentlicht.