Mittwoch, 14. Dezember 2016

Gedächtnislandschaften in Geschichte und Gegenwart

Buchcover: Fischer, Gedächtnislandschaften
in Geschichte und Gegenwart
Norbert Fischer hat seine Vorlesungen im Rahmen der Otto-Freising-Gastprofessur an der Katholischen Universität Eichstädt dazu genutzt, seine langjährigen Forschungen zur Sepulkralkultur unter dem Begriff der "Gedächtnislandschaft" zusammenzufassen und damit seine teilweise schon einzeln veröffentlichten Fallstudien unter den "Kategorien 'Raum' und 'Landschaft' aus kulturwissenschaftlicher Perspektive mit der symbolischen Bedeutung der Gedächtniskultur" zu verknüpfen (S. 7). Ihm geht es dabei um materialisierte Formen der Gedächtniskultur, die dann zur Gedächtnislandschaft werden, "wenn sie in räumlicher und symbolischer Verdichtung gestaltet und wahrgenommen werden" (S. 9). Den Begriff Landschaft definiert er dabei als einen "als zusammenhängend und homogen empfundenen Raumausschnitt - sei es unter naturästhetischen Aspekten 'als schöner Gegend', sei es als identitätsstiftende kulturelle Formation" und damit als "kulturell geprägter Raum, der unter dem Interesse einer besonderen Formation, Gestaltung oder Organisation reflektiert wird". Landschaft wird damit zugleich sowohl zum Oberbegriff für ein bestimmtes räumlich gebundenes und materiell gestaltetes Erbe, als auch für einen Fundus von historisch, gesellschaftlich und kulturell bestimmten Ideen und Wahrnehmungsformen. 

Freitag, 18. November 2016

Stirbt der Friedhof?

Gerade erst hat Prof. Reiner Sörries, der ehemalige Geschäftsführer des Kasseler Sepulkralmuseums und der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, sein Buch "Ein letzter Gruß - Neue Formen der Bestattungs- und Trauerkultur" herausgebracht, da ist schon ein neuer kleiner Band von ihm erschienen, den man wahrscheinlich am besten als "Pamphlet" be
zeichnen kann. Schon der Titel fragt provokativ "Stirbt der Friedhof?" und spricht vom "Dahinsiechen traditioneller Friedhofskultur".
Sörries, Stirbt der Friedhof?
Fachhochschulverlag

In dieser Schrift geht Sörries daran, die Ursachen des von ihm antizipierten „Friedhofssterbens“ zu diagnostizieren. Rhetorisch fragt er in den Überschriften seiner Kapitel, ob es an Krankheit oder einem Unfall liegt, ob die Klimaveränderung schuld ist oder ein gewaltsamer Tod bevorsteht, ob die Umstände einfach nur so sind, ob es vielleicht sogar an der eigenen Unachtsamkeit liegt oder ob eventuell doch Rufmord am Friedhof begangen wird. Er erläutert kurz die Geschichte des „Kranken“ von der Verlegung der Bestattungsplätze seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert, über die Einführung der Feuerbestattung, die Friedhofsreform und die Veränderungen nach dem 2. Weltkrieg, als sich die Anonyme Bestattung durchzusetzen begann bis zum heutigen „Krankheitsbazillus“ in Form der Naturbestattung und anderer alternativer Bestattungsformen, die er ja gerade in seinem letzten Buch öffentlichkeitswirksam beschrieben hat.

Sörries macht dabei die - eigentlich ja wohl gesamtgesellschaftliche - Liberalisierung als gravierendes Krankheitsbild aus und beschreibt sie als Eiterblase, die mit der Aufhebung des Friedhofszwangs geplatzt sei. Die Heilungschancen gehen seiner Meinung nach gegen null (S.21). Allerdings widerspricht er seiner frühen Diagnose nach der ausführlichen Darlegung weiterer Gründe für das Sterben der Friedhöfe, wenn er am Schluss schreibt (S. 96): „Es mag schon sein, dass der Friedhof das eine oder andere Wehwehchen hat, doch die bringen ihn nicht um“ und das Fazit zieht, dass der Friedhof mehr von Trauer verstehen sollte.

Donnerstag, 10. November 2016

Vita Dubia - neue Ausgabe der Zeitschrift "Friedhof und Denkmal"

Titelseite der Zeitschrift für Sepulkralkutur "Friedhof und
Denkmal", 3/4-2016
Auf die Ausstellung "Vita Dubia" in Kassel wurde hier schon hingewiesen. Jetzt ist auch die neue Ausgabe der Kasseler Zeitschrift erschienen, die sich als Doppelheft ganz dem Thema der Ausstellung widmet. Graphisch reizvoll ist das Heft entsprechend der Themenräume der Ausstellung gestaltet. In ihnen werden die "Große Angst" vor dem Scheintod, die Persönlichkeit Wilhelm Hufelands, das Ringen um die Todeszeichen, die Apparate zur Vermeidung des Scheintods und ein Ausblick dargestellt.

Zusätzlich ist in dem neuen Heft ein Aufsatz über Vorrichtungen an Särgen abgedruckt, die möglicherweise auf die Angst vor dem Scheintod hinweisen, und in der Rubrik "Aus den Beständen des Museum" wird eine Lithografie mit dem Titel "Die Leichenessen" vorgestellt, auf der ein auferstandener Toter die Anwesenden erscheckt. Insgesamt liegt damit ein gut lesbares Kurzkompendium für die Thematik des Scheintodes vor, das jedem empfohlen ist, der sich mit dieser uns heute seltsam anmutenden Furcht beschäftigen will. Eine Leseprobe ist auf der Seite des Museums für Sepulkralkultur abrufbar.

Friedhof und Denkmal - Zeitschrift für Sepulkralkultur, Kassel 3/4-2016/61. Jg./ H 20682, 62 S. zahlreiche farbige Abbildungen, 8,00 Euro

Dienstag, 1. November 2016

Totenbeinli und tanzende Skelette in Basel

Basler Totentanz, Aquarellkopie von 1806, Johann Rudolf Feyerabend : 
der Tod zum König. Historisches Museum, Basel.
By Vassil (Own work) CC0, via Wikimedia Commons
In Basel findet zur Zeit die Herbstmesse statt und in diesem Rahmen gibt es einen ganz besonderen Markt!

Schon 2013 hatte der Verein "Totentanz" am Originalschauplatz des berühmten Basler Totentanzes der Idee neuen Raum gegeben, dass jeder einmal sterben wird und im Tod alle gleich sein werden. Das Mittelalterliche Totentanzgemälde war auf die Friedhofmauer der Baseler Predigerkirche gemalt und wurde 1805 zerstört. Doch seine Bilder wurden in der Kunst überliefert und immer wieder neu gestaltet. So ist der Totentanz heute noch ebenso aktuell wie um 1440.

Vor drei Jahren hatte der Verein den berühmten Regisseur Peter Greenaway gewinnen können, das Thema neu zu gestalten. Er ließ einen Monat lang multimediale Grabmäler inner- und aus­serhalb der Predigerkirche erscheinen, auf deren Bildschirmen Vertreter der mittelalterlichen Ständepyramide ihrem Ende entgegentaumelten: Könige und Bettler, Geistliche und Laien. Und das Kino wurde gleich mit ins Grab geschickt ...

Montag, 31. Oktober 2016

Totentanz zu Halloween

Diesmal zu Halloween ein wunderbarer Film "Danse macabre" von Camille Saint-Saëns. Sein Op. 40 ist eine symphonische Dichtung, die ursprünglich als Kunstlied mit Klavierbegleitung nach dem Gedicht von Henri Cazalis erschien (1872).  Das Gedicht heißt "Égalité-Fraternité" und spielt damit in seinem Titel auf die historischen Totentänze des späten Mittelalters an. Es stammt aus den "Heures Sombres", dem vierten Teil seiner Sammlung L'Illusion.


Sonntag, 16. Oktober 2016

Mit Kindern Friedhöfe entdecken

Entdeckerheft Friedhöfe
an der Bergmannstraße in Berlin
In Berlin hat sich vor vier Jahren der Verein Pindactica gegründet, der Lehrmaterial für Kinder entwickelt. Die offensichtlich jungen und aktiven Mitglieder des Vereins - Medienleute, Kommunikationsdesigner, Pädagogen unterschiedlicher Richtungen u.a. - haben jetzt auch das Thema "Friedhof" in den Blick genommen. Das Ergebnis ist ein "Entdeckerheft für den Ausflugsspaß" zu den Berliner Friedhöfen an der Bergmannstraße, das gerade herausgekommen ist.

Ein stilisiertes Rotkehlchen lädt schon auf der Titelseite zu einer Rallye auf den zusammenhängenden historischen Friedhöfen der Bergmanstraße ein. Schlägt man das Heft auf, so werden die Kinder als erstes mit den Friedhofsregeln vertraut gemacht und an das Thema Erinnerung herangeführt, Sie dürfen dann Symbole suchen und den erklärenden Texten zuordnen, erfahren ein wenig über die Friedhofsgeschichte, sollen Namen auf Denkmalen finden und deren Alter errechnen, sich um die Tierwelt kümmern und bekommen in zweiten Teil eine ganze Reihe weiterer Aufgaben und Fragen über die Grabmale am Wegesrand gestellt. Ein Lageplan mit eingezeichneter Route soll helfen den vorgegebenen Entdeckerweg auf dem Friedhof zu finden.

Das 20seitige Heft in A5-Format ist auf festem Papier gedruckt und liebevoll illustriert. Es wurde, wie der Verein ausdrücklich vermerkt, "speziell für die Friedhöfe an der Bergmannstraße in Berlin Kreuzberg entwickelt und lässt sich auch nur dort sinnvoll einsetzen". Dazu hat man eine Handreichung für Eltern, Lehrer und Erzieher mit Tipps und Anregungen für die Rallye entwickelt, sowie zwei Arbeitsbögen als Kopiervorlage, die auch für den Besuch anderer historischer Friedhöfe verwendet werden können. Sie enthalten die Aufgaben aus dem Entdeckerheft zu Tieren und Pflanzen und leiten dazu an sich ein Grabmal näher anzusehen

Das Entdeckerheft kann man beim Verein bestellen oder vor Ort erwerben. Es ist kostenlos, allerdings wird der Versand berechnet. Insgesamt ist es sicher eine nachahmenswerte Initiative, die dazu einlädt sich als Familie oder mit Kindergruppen und Schulklassen spielerisch auf das Thema Friedhof und Erinnerung einzulassen. 

Samstag, 15. Oktober 2016

Kunst im Stillen No. 6


Vor kurzem erreichte mich der 6. Band der Reihe "Kunst im Stillen" von Alfred E. Otto Paul, die sich den Leipziger Friedhöfen widmet. Wer dieses Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich auch die früheren Bände dieser Reihe hier vorgestellt habe: Genau gesagt, begleite ich seit 2009 die Publikationen dieses Autors (siehe: Band 1Band 2Band 3Band 4Band 5, sowie das Buch über den Leipziger Johannisfriedhof).

Wie für den 5. Band hat sich der Autor auch diesmal auf den Leipziger Südfriedhof beschränkt. Auf 204 Seiten werden insgesamt 34 Grabstätten und Denkmale vorgestellt. Auch wenn die Grabstätten von Honoratioren überwiegen - als Berufsbezeichnungen erscheinen z.B. Fabrikant, Porzellanhändler, Kaufmann, Kommerzienrat, Brandversicherungs-Oberinstpektor, Unternehmer, Mediziner Baurräte und viele andere, so sind doch auch eine Reihe von Frauennamen zu lesen und so ungewöhnliche Erinnerungsmale wie das Sammelgrab Eythra, das an ein ganzes durch den Braunkohleabbau verschwundenes Dorf erinnert. Wie in den vorangegangenen Bänden widmet sich der Autor nicht nur den teilweise sehr imposanten Grabmalen. Er hat zugleich für jede Grabstätte gründliche historiche Forschung betrieben und stellt so die Lebensgeschichte der Bestatteten den Lesern lebendig vor Augen.

Abgerundet wird auch dieser Band durch einen vorangestellten Friedhofsplan, auf dem die Grablage der vorgestellten Grabmale eingezeichnet sind und am Schluss durch die Vorstellung des Malers und Bildhauers Reinhold Carl, der zu Unrecht fast vergessen war, und dessen Lebensgeschichte der Autor akribisch genau wieder augegraben hat. Natürlich fehlen auch in diesem Band die ausführlichen Quellenangaben nicht und der Rücktitel ist auch hier einer Glocke vorbehalten, in diesem Fall der Anastasia-Glocke des Südfriedhofes, die 1993 in der Karlsruher Glockengießerei Carl Metz entstanden ist. Muss man noch hinzufügen, dass das Layout und die teilweise großformatigen Bilder wieder sehr ansprechend gestaltet sind und einen zusätzlichen Lesegenuß bieten? Das kleine Video oben gibt davon vielleicht einen aussagekräftigeren Eindruck, als es Worte können.

Alfred E. Otto Paul, Die Kunst im Stillen. Kunstschätze auf Leipziger Friehöfen No. 6. Selbstverlag Leipzig 2016. Zu bestellen ist der Band beim Autor über die Paul-Benndorf-Gesellschaft zu Leipzig e.V., Sonnenweg 10, 04288 Leipzig, Tel.: 034297 / 12305, Mail: info@paul-benndorf-gesellschaft.de

Freitag, 30. September 2016

Am Fuße der Pyramide - 300 Jahre Friedhof für Ausländer in Rom

Flyer zur Ausstellung
Unter diesem Titel feiert der "Cimitero Acattolico di Roma" das Jubiläum seines dreihundertjährigen Bestehens mit einer großen Ausstellung in der Casa di Goethe in Rom. Kuratiert wurde sie von dem bekannten Historiker und Denkmalpfleger Nicholas Stanley-Price, zugleich Autor einer umfangreiche Publikation über den Friedhof, die gerade auch auf Deutsch erschienen ist.

In der Pressemitteilung heißt es dazu: "Zum ersten Mal vermittelt eine Ausstellung einen Überblick darüber, wie Künstler seit Ende des 18. Jahrhunderts bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts den sogenannten 'Protestantischen Friedhof' oder 'NichtKatholischen Friedhof bei der Pyramide' in ihren Bildern dargestellt haben. Mehr als vierzig Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphiken zeigen die besondere Schönheit des Orts mit seinen hohen Bäumen, Grabdenkmälern und suggestiven Himmelsausschnitten. Gleichzeitig dokumentieren die Bilder die Geschichte und allmählichen Veränderungen des stillen Winkels im Schatten der im römischen Stadtteil Testaccio gelegenen Cestius-Pyramide." 

Zu den bekanntesten Grabmälern, von denen einige von so berühmten Künstlern wie z.B. Bertel Thorvaldsen entworfen worden sind, gehören die Ruhestätten von John Keats und Percy Bysshe Shelley, August von Goethe und dem Beat-Dichter Gregory Corso. 

Bartolomeo Pinelli (Naechtliche Bestattung an der Cestiuspyramide) 1831.jpg
Bartolomeo Pinelli, Nächtliche Bestattung an der Cestiuspyramide

 By Bartolomeo Pinelli - scanned by RTH, Public Domain, 

Die Ausstellungstexte sind auf Deutsch im Internet veröffentlicht. Sie bestehen aus einer Einführung und vier thematischen Bereichen: Die "Künstler und der Friedhof für Ausländer in Rom" werden zu Anfang vorgestellt; es folgen "Die Ersten Grabsteine und die Nächtlichen Begräbnisse"; "Die Protestantischen Gräber im Schatten der Pyramide", "Der neue Friedhof unter den Zypressen und Rosen" und "Die Gräber von Keats, Shelley, Goethe und Anderen". 

Der Ausstellungskatalog ist dreisprachig in Deutsch, Englisch und Italienisch erschienen und kostet in Deutschland inklusive Versand 21,00 Euro. Die Ausstellung läuft vom 23.9. bis zum 13.11.2016.

Hamburger Bauheft zur Soldatengedenkhalle auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Hamburger Bauheft zur Soldatengedenkhalle
In dem kleinen Museum auf dem Ohlsdorfer Friedhof, das von Mitgliedern des Förderkreises betreut wird, wurde vor Kurzem das Heft Nr. 17 der Reihe "hamburger bauheft" vorgestellt, das der Soldatengedenkhalle auf dem Friedhof gewidmet ist. Sie steht in enger Verbindung zu den großen Flächen der Soldatengräber des Ersten und des Zweiten Weltkrieges.

Da es eine Kontroverse über den Umgang mit der Gedenkhalle und Bestrebungen zu einem Gegendenkmal gibt, hilft diese Publikation grundlegend dabei sich mit ihren Entstehungsbedingungen auseinander zu setzen.

Montag, 26. September 2016

Vita Dubia- eine neue Ausstellung im Sepulkralmuseum

Flyer zur Ausstellung
Am 7. Oktober 2016 lädt das Sepulkralmuseum in Kassel zur Eröffnung einer neuen großen Ausstellung mit dem Titel "Vita Dubia" ein. Genauere Auskunft über den Inhalt gibt der Untertitel "Über die Ungewissheit des Todes und die Angst, lebendig begraben zu werden". 

Der Begleittext weist darauf hin, dass die Angst vor dem Scheintod um 1800 n. Chr. zu einem weit verbreiteten Phänomen wurde. Damals verstärkten die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse und technischen Errungenschaften der Zeit der Aufklärung die Zweifel daran, ob die Grenze zwischen Leben und Tod immer richtig bestimmt wurde. Das Problem beunruhigte plötzlich europaweit die Gemüter. Es regte Wissenschaftler zu bizarren Experimenten an und veranlasste skeptische Erfinder zum Bau merkwürdiger Rettungsapparate. "Es entfachte auch eine Debatte darüber, welche Hinrichtungsmethode 'humaner' sei: Köpfen oder Hängen? Gleichzeitig löste die weit verbreitete Verunsicherung einen kreativen Impuls aus. Denn sie inspirierte die Dichter und Schriftsteller der Romantik zu großartigen, bisweilen düsteren und unheimlichen Gedichten, Novellen und Romanen. Zu den bekanntesten literarischen Werken zählen etwa ‚Schneewittchen‘ von den Brüdern Grimm oder auch Mary Shelleys ‚Frankenstein‘." 

Auch die neue Ausgabe der Zeitschrift "Friedhof und Denkmal" der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal nimmt mit einem Doppelheft die Thematik der Ausstellung auf. Dabei geht es dann unter anderem um "Die große Angst", "Christoph Wilhelm Hufeland - ein Leben im Dienst der Lebensverlängerung", "Hufeland und der Mythos einer Maschine", "Scheintod, Galvanismus und Elektrizität", "Apparate" und "Särge mit Notausgang". 

Das ganze Thema ist übrigens auch sehr eng mit der Entwicklung der historischen Friedhöfe verbunden, denn gerade Hufeland hat sich intensiv dafür eingesetzt, dass überall auf den Begräbnisplätzen neue Leichenhäuser gebaut wurden, in den die Toten bis zur endgültigen Gewissheit des Todes aufgebahrt werden konnten. 

Die Ausstellung ist vom 8. Oktober 2016 bis zum 16. April 2017 zu sehen. Eröffnung am 7. Oktober 2016, um 19.30 Uhr, dann wird neben der Begrüßung eine Einführung in das Thema gegeben und die Autorin und Journalistin Petra Nagel wird sich "Literarische Gedanken zum 'Scheintod'" machen. Im Rahmen der Ausstellung findet ein umfangreiches Begleitprogramm statt.


Sonntag, 25. September 2016

"Friedhofspflicht/Friedhofsflucht" - Thema der Funerale6 in Rostock

Flyer zur Funerale 2016
Programm der Funerale 2016
Zu dieser Tagung zitiere ich der Einfachheit halber aus dem Text des nebenstehenden Flyers:

"Bestattungs- und Friedhofsrecht sind Ländersache. Die deutschen Bundesländer gingen bisher im europäischen Vergleich im Blick auf Friedhofspflicht einen restriktiven Sonderweg. Mittlerweile gibt es in den einzelnen Bundesländern Diskussionen, diese typisch deutsche Friedhofspflicht aufzugeben, um sich rechtsförmig bspw. am schweizerischen und niederländischen Modell zu orientieren. In Nordrhein-Westfalen und in Bremen sind unlängst schon Veränderungen in Richtung auf eine (partielle) Freigabe der Friedhofspflicht vorgenommen worden. Werden bald weitere Bundesländer folgen? Welche Konsequenzen hat dies für Bestattung-, Trauer- und Erinnerungskultur?

Im Rahmen dieser Tagung sollen gesellschaftliche und kirchliche Chancen und Herausforderungen aus kulturwissenschaftlicher, soziologischer, juristischer und theologischer Perspektive ausgelotet werden. In einer Podiumsdiskussion werden Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Kirche ihre Standpunkte erläutern. Die funerale6 schließt an die in Rostock etablierte gleichnamige wissenschaftliche Tagungsreihe zur Bestattungskultur an und ist dieses Mal eine Kooperation mit der Universität Bern und Aeternitas e.V. Verbraucherinitiative Bestattungskultur/Königswinter."

Das Vortragsprogramm verspricht interessant zu werden. Rainer Wirz (Ltg. Friedhof Ohlsdorf, Hamburg) wird zum Beispiel über "Ursache und Wirkung von Friedhofsflucht und Friedhofspflicht am Beispiel des Ohlsdorfer Friedhofs" referieren; Dr. Thorsten Benkel (Soziologie, Universität Passau) spricht über "Flucht aus der Normativität? Probleme der Institutionalisierung von Emotionen am Beispiel der Trauer" und Prof. Dr. Norbert Fischer (Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie, Universität Hamburg) stellt unter dem Titel "Jenseits des Friedhofs: Neue Orte der Bestattungs- und Gedenkkultur" vor.

Die Tagung findet in Rostock statt (Hörsaal 323, des Universitätshauptgebäudes = linker Flügel, 3. Etage, Universitätsplatz 1, 18055 Rostock). Der Flyer vermerkt dazu keinerlei Kosten.
Anmeldungen:Theologische Fakultät / Praktische Theologie, Prof. Dr. Thomas Klie, Universitätsplatz 1, 18055 Rostock, Tel.: 0381 498 8435

Donnerstag, 15. September 2016

„Raum für Erinnerung“ - Tag des Friedhofs 2016


Grabmal des Unternehmers August Borsig,
Berlin, Dorotheenstädtischer Friedhof
(Foto Leisner 2015)
Am 17. oder 18.9.2016 wird wieder der bundesweit der Tag des Friedhofs begangen.

Flyer zum Berliner Tag des Friedhof 
Programm des Berliner Tag des Friedhofs
Der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte richtet den Tag des Friedhofs am Sonntag, 18.9.2016, für alle Berliner Friedhöfe auf den Friedhöfen in der Kreuzberger Bergmannstraße aus. Schirmherr der Aktion ist Christian Stäblein, Propst der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz. In der Pressemitteilung heißt es dazu: "Nach der Eröffnungsveranstaltung in der Kapelle des Friedrichswerderschen Friedhofs folgen Vorträge und ein Kinderprogramm mit Friedhofsrallye und Memory-Basteln. Erwachsene können bei einem literarisch-kulturgeschichtlichen Spaziergang oder einer Imkerführung über den Friedhof mitmachen oder sich bei weiteren Führungen über Symbolik und Heilkraft der Baum- und Pflanzenwelt auf Friedhöfen informieren. ... Anregungen für die Grabgestaltung bieten Mustergräber der Friedhofsgärtner und Steinmetze. Angehende Friedhofsgärtner bepflanzen während der Veranstaltung drei Gräber und geben Interessierten fachliche Auskunft. Trauerfloristik ergänzt diese Präsentation. Die Steinmetze richten eine Schauwerkstatt ein. An Ständen erfahren Besucher mehr über Bestattungsmöglichkeiten und Pflegeangebote, Hilfe und Beratung für Trauernde, Vorsorge, Dauergrabpflege sowie über Aus- und Weiterbildungsangebote für Friedhofsgärtner.

In den meisten Städten findet der Tag des Friedhofs auch dort statt. In Dresden aber will man die Menschen offenbar nicht mit dem Friedhof konfrontieren. Dort hat die Veranstaltungen auf die Freifläche hinter der Kreuzkirche in die Innenstadt verlegt und somit abseits von Friedhofsmauern verlegt. Aber natürlich werden auch dort die "Themen Friedhof, Erinnerung, Trauer und Gedenken" auf unterschiedliche Weise den Besuchern nahe gebracht. Der Gartenbau und Friedhofsgärtner sind vor Ort, dazu auch Steinmetze, eine Holzbildhauerin und ein Kunstschmied, sowie Bestatter und Mitarbeiter von Friedhofsverwaltungen. Außerdem machen auch Hospizdienste mit und zeigen den Museumskoffer „Vergiss mein nicht“, Schüler haben einen Totentanz einstudiert, es gibt einen „Baum der guten Wünsche“, einen Vortrag über „Die Vielfalt der Dresdner Friedhöfe“ und ein Open Air-Mittagsgebet. Das Literaturtheater Dresden führt das Stück „Die besten Beerdigungen der Welt“ auf, der Comedian DER TOD zeigt Ausschnitte aus seinem aktuellen Soloprogramm „Mein Leben als Tod“ und die Gothic Band „Aurago“ gibt ein Konzert.



Dienstag, 13. September 2016

50 Jahre Öjendorfer Friedhof in Hamburg

Ausgabe von "Ohlsdorf Zeitschrift für Trauerkultur"
zum Jubiläum des Öjendorfer Friedhofs
Ist ein Friedhof, der vor fünfzig Jahren eröffnet wurde, schon historisch zu nennen? In der Denkmalpflege und in der Veteranenszene gilt, soweit ich weiß, die 30 Jahresfrist, nach der ein Objekt - sei es ein Gebäude oder ein Auto - als Veteran oder Denkmal eingestuft werden kann.

Der Öjendorfer Friedhof in Hamburg wurde am 14. Juli 1966 eröffnet und sein 50jähriges Jubiläum ist auf jeden Fall ein Anlass zum Feiern und zwar am Sonntag, den 18. September, dem Tag des Friedhofs, ab 11 Uhr.

Immerhin ist der "Jubilar" der zweitgrößte Friedhof Hamburgs. Da sich dort mehrere Grabanlagen verschiedener Religionen befinden, gehören zu dem bunten Programm aus Führungen, Vorträgen und Musik auch buddhistische und muslimische Feierlichkeiten, sowie eine evangelische Andacht und ein Engelsspaziergang. Das Veranstaltungsprogramm ist hier veröffentlicht.

Der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. hat die letzte Ausgabe seiner Vierteljahresschrift dem Jubiläum gewidmet und wird mit einem Stand auf dem Friedhof vertreten sein.



Dienstag, 30. August 2016

"Schlaglicht auf den Tod" - internationales Forschungskolloquium in Bamberg

In Zusammenhang mit der Ausstellung "Der letzte Weg - Tod und Bestattung in Mittelalter und Neuzeit", die im vorhergehenden Post besprochen worden ist, findet an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg vom 28.-30. Oktober 2016 eine internationale Tagung des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit statt, bei der Forscher aus Schweden, Estland, Tschechien, Frankreich, Österreich und Deutschland ihre neuesten Forschungen zu Tod und Bestattung vorstellen werden. Der Flyer dazu ist gerade erschienen:


Samstag, 20. August 2016

"Der letzte Weg" - Ausstellung im Diezösanmuseum Bamberg

Ausstellungsflyer
Leider werde ich diese Ausstellung in Bamberg nicht sehen können, doch verspricht sie einen interessanten Einblick in die Bestattungstraditionen der Vergangenheit.

Erarbeitet wurde sie unter der Ägide des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit in mit dem Diözesanmuseum Bamberg. Der Lehrstuhl feiert übrigens in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen. Laut Information des Lehrstuhls ist die Ausstellung ist in zwei „Abteilungen“ gegliedert: 

"Die erste befasst sich mit dem Kranksein und Dahinsiechen, mit dem Sterben in spiritueller und physischer Hinsicht, mit der Aufbahrung und dem Begraben-Werden. Eine szenische Darstellung visualisiert dabei eine (geschönte) Situation im Sarg, weitere Exponate sind Versehgarnituren, Särge, Urnen und Fotografien aufgebahrter Personen.

Mittwoch, 10. August 2016

Ein letzter Gruß - Neue Formen der Bestattungs- und Trauerkultur

Titelcover "Ein letzter Gruß"
  Verlag Butzon & Bercker
Man könnte natürlich als erstes fragen, wieso ein Buch über neue Formen der Bestattungs- und Trauerkultur auf einem Blog besprochen wird, das sich historischen Friedhöfen widmet.

Tatsächlich aber findet unsere zeitgenössische Bestattungs- und Trauerkultur ja hauptsächlich auf Friedhöfen statt, die zu einem großen Teil historisch gewachsen sind; jedenfalls wenn man die Friedwälder und Ruheforste oder, wie die Bestattungswälder noch euphemistisch genannt werden, draußen vor lässt. Da viele Friedhöfe aufgrund des Trends zur Urnenbestattung heute mit sogenannten Überhangflächen zu kämpfen haben, werden gegenwärtig kaum noch neue Bestattungsplätze in Deutschland angelegt. Wenn die neuen Formen der sepulkralen Kultur aufgefächert werden, geht es also auch um die zukünftige Entwicklung historischer Friedhöfe und es ist nicht unwichtig dabei die kulturellen Veränderungen zur Kenntnis zu nehmen, die sich seit den 1990er Jahren immer stärker ausdifferenzieren.


Dienstag, 2. August 2016

transmortale VII 2017 - call for papers

Grabmal Cohen auf dem Ohlsdorfer
Friedhof in Hamburg, Foto Leisner 1994
Die 8. transmortale wird 2017 nicht wie gewohnt im Museum für Sepulkralkultur in Kassel stattfinden, sondern in die Veranstaltung

"Transmortality 2017. The Materiality and Spatiality of Death, Burial and Commemoration" 

der Universität Luxemburg integriert sein, die vom 3.-4. März 2017 in der Stadt Luxemburg stattfinden wird. Der Internationalität geschuldet ist der Call for Papers (auch als PDF) auf englisch gehalten. Ich erspare es mir ihn zu übersetzen und übernehme ihn von der Website des Kasseler Museums:

Call for papers"Transmortality 2017: The Materiality and Spatiality of Death, Burial and Commemoration
Death, dying and burial produce artefacts and occur in a spatial context. The interplay between such materiality, spatiality and the bereaved who commemorate the dead yields interpretations and creates meanings that can change over time. In this conference, we want to explore this interplay by going beyond the consideration of simple grave artefacts on the one hand and graveyards as a space on the other to examine the specific interrelations between materiality, spatiality, the living and the dead.
We invite papers from all disciplines, from academics and professionals alike, to reflect on the materiality and spatiality of death, burial and commemoration – for example, concerning cemeteries and other spaces of remembrance. We suggest the following non-exhaustive list of themes:

Mittwoch, 27. Juli 2016

Dresden - Schauspieler auf dem Johannisfriedhof und ein Fotowettbewerb

Der noch junge, aber sehr aktive Freundeskreis Trinitatis- und Johannisfriedhof Dresden lädt zu einer ungwöhnlichen Veranstaltung auf dem Johannisfriedhof in Dresden ein. Nachdem schon Konzerte Aus Anlaß der erfolgreich abgeschlossene Sanierung der Schweighofer’schen Grabstätte stellen die Mitglieder am 30. und 31. Juli zwischen 14 und 17 Uhr ihre ehrenamtliche Tätigkeit auf dem Friedhof vor und haben dazu das Literaturtheater Dresden eingeladen. Besucher sind damit Zu Gast bei … Schauspieler Felix Schweighofer (1842–1912). Mit dem Stück „Iffland“ oder „Rede ein dankbares Wort von dem, was gewesen ist.“ -  "ein heiter poetischer, historisch-naturwissenschaftlicher und kulinarischer Szenenwechsel"  wird an den Schauspieler erinnert.

Nicht nur der Schauspieler auch gesteinskundliche, stein- und metallrestauratorische sowie steinmetztechnische Details im Zusammenhang mit der Grabmalrestauration und das Thema Grabpatenschaft stehen dabei im Mittelpunkt.

Am 4. September 2016 ist dann eine Sonderführung „Musik – wird treffend als die Sprache der Engel bezeichnet“ – zu den musikalischen Spuren mit Christian Mögel mit anschließender Einweihung der restaurierten Grabstelle von Hugo Jüngst (1853-1923), einem berühmten Komponisten und Chorleiter der Stadt geplant. Am 11. September wird der Tag des Offenen Denkmals u.a. mit der Führung "Ziergitter, Kreuze, Gruftabdeckungen – Kunstschmiede-arbeiten auf dem Johannisfriedhof“ begangen.

In Dresden ist aber auch das Amt für Stadtgrün aktiv. Dort will man von Seiten der Abteilung Friedhofsangelegentheiten einen neuen Friedhofswegweiser herausgeben und hat für das Titelbild einen Fotowettbewerb ausgeschrieben. Bewrben kann man sich noch bis 31. Oktober 2016!

Montag, 11. Juli 2016

75 Jahre Iranisch-Islamisches Gräberfeld in Ohlsdorf

In diesem Blog hatte ich schon auf das Jubiläum des iranisch-islamischen Grabfelds auf dem Ohlsdorfer Friedhof hingewiesen und auf den Verein, der sich zu seinem Erhalt gegründet hat. Jetzt hat der Verein im Rahmen der Schriftenreihe des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V. die schon angekündigte Broschüre zur Geschichte dieser Grabanlage herausgegeben.

Das schmale Heft berichtet zu Beginn über die langen Beziehungen zwischen Hamburg und dem Iran, die immerhin schon auf einen Handelsvertrag aus Jahr 1857 zurückgehen. Nach dem Bau der Speicherstadt wurden dort die in Deutschland begehrten persischen Teppiche gelagert. Aus der Mitte der Kaufleute entstand ab 1953 ein Förderverein für den Bau einer Moschee, die dann 1960 an der Außenalster errichtet wurde. Parallel zum Moscheeverein wurde auch eine Unterstützungskasse für hilfsbedürftige Landsleute in Hamburg ins Leben gerufen. Heute leben in Hamburg mehr als 23000 Menschen aus dem Iran.

Nach dieser Einführung werden dann einzelne Persönlichkeiten, die in diesem Grabfeld bestattet sind, mit Bild und Lebenslauf vorgestellt. So lernt man auch den Kaufmann Hassan Ismaelzadeh Vladi kennen, der sich sowohl für den Moscheebau wie das Grabfeld aktiv eingesetzt hat.

Ein kurzes Kapitel bringt dem Leser "Tod, Jenseits und Grab im Islam" näher, bevor dann auf die frühe Geschichte der Muslime in Norddeutschland eingegangen wird und man zum Beispiel erfährt, dass der erste Koran auf arabisch und lateinisch 1694 in Hamburg gedruckt wurde. Islamische Gelehrte hatten auch nach der Erfindung des Buchdrucks darauf bestanden, dass die ihnen heilige Schrift nur handschriftlich vervielfältigt werden dürfe. So vermittelt die kleine aber sehr informative Broschüre insgesamt viel über das islamische Leben in Hamburg.

1941-2016. 75 Jahre Iranisch-Islamisches Gräberfeld in Hamburg-Ohlsdorf (X-19, Kapelle 2). Hrsg. Förderveien Iranisch-Islamisches Gräberfeld Ohlsdorf e.V., Hamburg 2016; zugleich Bd. 13 der Schriftenreihe des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V., 27 S,, zahlreiche Abb., Schutzgebühr 1 Euro 

Erhältlich über den Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof, Fuhlsbüttler Strasse 756, 22337 HamburgTelefon: 040 / 50 05 33 87 | E-Mail: info@fof-ohlsdorf.de

Dienstag, 5. Juli 2016

"transmortale - Sterben, Tod und Trauer in der neueren Forschung"

Buchcover "transmortale" 
Zur transmortale treffen sich jedes Jahr junge (und ältere) Forscherinnen aus unterschiedlichen Disziplinen, die sich wissenschaftlich mit dem breiten Themenkreis um Tod und Trauer befassen und ihre Arbeit einem kollegialen Publikum zur Diskussion stellen. In diesem Blog wurde über diesen interessanten interdisziplinären Ansatz seit seinem Beginn im Jahr 2010 kontinuierlich berichtet.

Jetzt haben die Organisatoren Anna-Maria Götz und Moritz Buchner vierzehn Beiträge aus den letzten sechs Jahren in einem Sammelband herausgegeben, der als Bd. 22 der Kasseler Studien zur Sepulkralkultur erschienen ist. Ein Nachwort von Norbert Fischer und Reiner Sörries mit dem Titel "Der neue Blick auf Sterben, Tod und Trauer" rundet die Beiträge am Schluß ab. Die vier Obertitel "Orte für Tote"; "Umgang mit dem Tod"; "Gefühle zu Tod und Sterben"; "Vor-/Darstellungen vom Tod" bilden jeweils eine Klammer für unterschiedliche Forschungsschwerpunkte.

Friedhofsfreunde dürften natürlich am meisten die "Orte für Tote" interessieren. Dort berichtet zuerst Anna-Livia Pfeiffer von den "vergläserten" Toten und den "Totenstädten der Zukunft" und damit über utopische Ideen zur Feuerbestattung, die erstmals in der Revolutionszeit in Frankreich entwickelt wurden und bis zur Idee eines riesigen unterirdischen Aschenteiches im Deutschland der 1920er Jahre, bzw. einer von einem überdachten Säulengang umschlossenen Aschestreuwiese in den 1930er Jahren reichen. Domnik Gerd Sieber räumt mit älteren Vorstellungen zu den Friedhöfen des so genannten Camposanto-Typs auf und kann zeigen, dass diese Anlage weder stets außerhalb der Stadt angelegt worden sind noch als Ausdruck rein protestantischer Sepulkralkultur zu werten sind. Der dritte Beitrag dieses Kapitels springt in die digitale Gegenwart und befasst sich vom Blickwinkel des Designs mit den digitalen Räumen, die dem Themenkomplex Tod und Sterben gewidmet sind.

Sonntag, 3. Juli 2016

Ohlsdorfer Friedensfest - 23. Juli - 7. August 2016

Das breite "Bündnis Ohlsdorfer Friedensfest" hat auch in diesem Jahr ein eindrucksvolles Programm zur Erinnerung an den "Hamburger Feuersturm" und als Feier der Befreiung vom Nationalsozialismus. Das Friedensfest wird dabei als konstruktiver Gegegenentwurf gesehen, mit dem die Teilnehmer an diesem Bündis den Versuchen der Neonazis entgegentreten, die an diesem Ort mit diffamierenden Kundgebungen versucht haben die nationalsozialsistischen Verbrechen zu relativieren. Hier ist das Programm, das man auch hier herunterladen kann:


Freitag, 1. Juli 2016

15 Jahre Garten der Frauen in Ohlsdorf

Der Garten der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof feiert in diesem Sommer sein 15jhähriges Bestehen und lädt wieder während der Sommermonate zu Führungen und zum Besuch seiner Ausstellung zur Geschichte des Vereins im Wasserturm ein.


Mittwoch, 22. Juni 2016

Denkmalschutz auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg - Ohlsdorf 2050

Ausschnitt aus dem Plan des Ohlsdorfer
Friedhofes, mit Einzeichnung der erhaltens-
werten Grabmale, farblich nach Zeitperioden
gekennezeichnet.  
Am 17.6. war ich zusammen mit Vertretern des Vorstandes des Ohlsdorfer Förderkreises und weiteren ExpertInnen zur Anhörung des Kulturausschusses der Hamburger Bürgerschaft eingeladen. Thema war der Denkmalschutz auf dem Ohlsdorfer Friedhof und besonders die Frage der Erhaltung der Grabmale aus den 50er - 80er Jahren. 

Zum Thema Denkmalschutz auf Ohsldorf habe ich schon in der Zeitschrift des Förderkreises einen längeren Beitrag geschrieben. Für die Anhörung habe ich eine Präsentation zum Thema erhaltenswerte Grabmale zusammengestellt. Auswahlkriterien für ihre Einschätzung waren im Rahmen des Forschungsprojektes der VW-Stiftung und des Denkmalschuztamtes (1981 bis 1986) ausgearbeitet worden. Aufgrund dieser Kriterien war eine Auswahl aus der fast unübersehbaren Menge der Grabmale auf diesem größten Friedhof Europas getroffen worden. Über diesen Link kann man die Präsentation herunterladen.

Der Förderkreis hat außerdem eine Liste von Kriterien zur Auswahl erhaltenswerter Grabmale aus der Zeit nach 1950 zusammengestellt. Der Grund dafür ist, dass im Forschungsprojekt der1980er Jahre bei seiner Endauswahl nur Grabmale bis 1950 berücksichtigen konnte. Jetzt werden die Grabmale aus den 1950-1980er Jahren in großer Zahl abgeräumt. Zudem hat man mit dem Projekt Ohlsdorf 2050 eine groß angelegte Diskussion über den zukünftigen Umgang mit dem Friedhof eröffnet. 

Aus Sorge umd die Erhaltung der Grabmale aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg hat sich der Förderkreis - besonders ist da Frau Dr. Christine Behrens zu nennen - sehr aktiv in den Prozess der Grabmalabräumung eingeschaltet. Dieser Sorge ist es auch zu verdanken, dass sich jetzt der Kulturausschuss der Hamburger Bürgerschaft intensiv mit diesem Thema befasst. Man darf gespannt sein, wie es mit Ohlsdorf 2050 weiter geht.    




Dienstag, 14. Juni 2016

Game over - Neue und ungewöhnliche Grabsteine

Coverbild von Benkel/Metzler,
Game over
Vor vier Jahren habe ich hier auf, wie ich glaube, das erste Friedhofsbuch der beiden Soziologen Thorsten Benkel und Matthias Meitzler hingewiesen und dabei am Schluss geschrieben, dass ich die Texte sprachlich ziemlich verschachtelt fand und sich daher mein Lesevergnügen in Grenzen hielt.

Jetzt halte ich ein neues Buch desselben Autorenduos in den Händen und das habe ich mit größtem Vergnügen durchgelesen, ja beim Betrachten der abgebildeten Grabsteine habe ich häufig geschmunzelt und manchmal sogar laut gelacht. Dabei ist das sogar schon das zweite Buch über ungewöhnliche Grabsteine der beiden Autoren. Das erste ist leider irgendwie an mir vorbeigegangen. Vielleicht habe ich den schönen Titel "Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe : Ungewöhnliche Grabsteine - Eine Reise über die Friedhöfe von heute" nicht wirklich ernst genommen?

Auf jeden Fall gelingt es den Autoren mit diesem Folgeband bestens auf "unterhaltsame, aber auch lehrreiche Weise ... Einblicke in einen häufig übersehenen Bereich der Alltagskultur zu vermitteln" und dabei zugleich zu zeigen, wie sehr sich diese Alltagskultur gerade heute verändert und immer individuellere Züge annimmt. Es geht ihnen dabei um Texte, Symbole und Bilder auf ganz gewöhnlichen-ungewöhnlichen Grabsteinen überall auf deutschen Friedhöfen. Sie richten ihren Blick gerade nicht auf die künstlerische Avantgarde, sondern auf die Trauer der sogenannten kleinen Leute und ihre persönliche Art sich bzw. ihre pivate Erinnerung auf Grabsteinen zu inszenieren. Angenehm ist dabei, dass die Begleittexte zu den Bildern zwar manchmal ironisch klingen, aber nirgends zynisch wirken.

Kapitel "Auf immer gut Holz"
Den insgesamt zwanzig Kapiteln, die die Grabsteinbilder untergliedern, ist jeweils ein kurzer einführender Text vorangestellt. Es geht dabei der Reihe nach um private Poesien und Sinnsprüche, die zum Lebensmotto geworden sind (z.B. "Ich lebe so gerne! Ich glaube, ich lebe sogar noch gerne, wenn ich einmal gestorben bin."); um tierische Liebe und damit Darstellungen von Tieren auf Grabmalen, die für mich in einem vollplastischen Pferdekopf gipfeln; um "Zwichenmenschliches" mit so schönen Texte wie "Er hat uns immer wieder überrascht" oder "Laßt mich in Ruhe"; um Freizeitvergnügen, wo man u.a. einen Grabstein mit dem Bild des Verstorbenen sieht, der fröhlich einen Bierhumpen hebt: um Berufe und entprechende Bezeichnungen, wie Strandkorbvermieter oder Origamimeister; um Auto, Motor und Tod mit Bildern aller möglicher Fahrzeuge und Fahrzeugdetails, gefolgt von Fortbewegungsmitteln zu Lande zu Wasser und in der Luft ("Eisenbahn war sein leben"),

Es führt zu weit alle zwanzig Kapitel hier aufzuführen (das vollständige Inhaltsverzeichnis findet sich hier). Aber ich kann versprehen, dass jeder Abschnitt für sich neue Überraschungen und Einsichten birgt.

Benkel, Thorsten, Meitzler, Matthias, Game over : neue ungewöhnliche Grabsteine. Köln : Kiepenheuer & Witsch, 2016, 244 Seiten zahlreiche farbige Abbildungen.

Samstag, 4. Juni 2016

Thana-Tourismus - Die Tagung der Schwabenakademie Irsse

Hier mein Vortrag für die "Thana-Tourismus" in der Schwabenakademie Irsee. Das interessante Programm habe ich schon vor einiger Zeit hier veröffentlicht.

Vortrag zum Thema Thana-Tourismus
Die Slideshow kann hier aus der Dropbox heruntergeladen werden. 

Samstag, 28. Mai 2016

Der Friedhof Riensberg - Ein Handbuch von A-Z

Cover des neuen Handbuchs über den
Riensberger Friedhof in Bremen
Bisher gab es über den historischen Friedhof Riensberg und den gleichzeitig geplanten und eröffneten Friedhof Walle in Bremen nur jeweils ein schmales Informationsheft von der - ehemals Stadtgrün Bremen - genannten heutigen Umweltbehörde. Die beiden Landschaftarchitekten Uta Nüller-Glaßl und Frank Glaßl hatten sie 1995 und 1996 verfasst und beide Hefte sind anscheinend im Jahr 2005 neu aufgelegt worden. Und das ist ja schon eine ganze Weile her.

Deshalb ist es also umso mehr zu begrüßen, dass jetzt wenigstens über den Riensberger Friedhof ein Taschenbuch erschienen ist, das die Grabmalkultur und Friedhofsgeschichte in Form eines Handbuches von A-Z lexikalisch aufbereitet. (Ich kann mir den Hinweis nicht verkneifen, dass dafür wohl das zur Zeit vergriffene Ohlsdorfbuch von Helmut Schoenfeld Vorbild war. An einer Neuauflage wird übrigens gerade gearbeitet.)

Zwei Kulturwissenschaftlerinnen - Gerda Engelbracht M.A. und Dr, Andrea Hauser - stellen in diesem Buch ungefähr 200 Kurzbiografien von in Riensberg bestatteten Persönlichkeiten der Bremer Geschichte vor,vermischt mit ungefähr 170 Stichworten zum Thema Friedhof und Sepulkralkultur. Die Stichworte thematisieren zum Beispiel bestimmte Symbole auf Grabmalen, Besatttungsarten, Pflanzen oder auch die Hochbauten des Friedhofs.

Das Buch ist mit über zweihundert farbigen und zum Teil phantastisch fotografierten Abbildungen optisch hervorragend ausgestattet und bietet mit seinen Einzelbeiträgen einen umfassenden und in seiner Kurzform sehr interessanten Überblick über die Persönlichkeiten und Geschichte der Stadt Bremen.

Donnerstag, 26. Mai 2016

Friedhofsführungen

Engel auf dem Ohlsdorfer Friedhof während
der Rhododendronblüte (Foto Leisner)
Die schöne Jahreszeit ist endlich gekommen und damit die Zeit der Friedhofsführungen. Förderkreise und Friedhofsvereine bieten wie jedes Jahr Rundgänge über "ihren" Friedhof an. Zu finden sind die Themen und Daten auf den jeweiligen Websites der Vereine. Sie alle hier aufzulisten ist mir zu zeitraubend. Aber hier folgen ein paar Beispiele:

Eines ist das Friedhofsmuseum Berlin e.V., das im Juni zwei Führungen über den Alten Friedhofs St. Marien und St. Nikolai zu so unterschiedlichen Themen wie dem "
Mikrokosmos des Berliner Bürgertums im 19. Jahrhundert“ und zu der Ausstellung auf dem Friedhof „Lumen-Amen: Transformationen des Lichts” im Programm haben. Das Programm enthält außerdem weitere kulturelle und praktische Veranstaltungen wie die Aktion "(Kultur-) Gärtner" auf dem Alten Friedhof St. Marien – St. Nikolai, zu der jeder kommen kann, der Harke, Handschuhe und Lust am Gärtnern dabei hat. Das ganze Programm für 2016 findet man hier.

Als ein weiteres Beispiel soll der Freundeskreis Trinitatis- und Johannisfriedhof Dresden genannt sein, der morgen abend zu einer Führung mit dem Titel "Friedhofsgemunkel" einlädt. Das Gemunkel findet in der Dämmerung bei Fackelschein statt.
Facebookseite mit den Terminen von "Friedhofsgeflüster"

Auch soll hier einmal wieder auf Dr. Anja Kretschmer hingewiesen sein, die in Eigenregie mit ihrem "Friedhofsgeflüster" im Norden Deutschlands seit 2013 diese neue Form von Friedhofsführungen entwickelt hat und auf immer mehr Friedhöfen dazu einlädt. Zu ihnen gehören inzwischen auch der Ohlsdorfer Friedof in Hamburf und der Südfriedhof in Kiel. Als  "schwarze Witwe" erzählt Anja Kretschmer von den Bräuchen und Vorstellungen vergangener Zeiten und lädt dazu nicht nur am Tage, sondern auch im Dunkel der Nacht ein. Sie führt übrigens schon seit einer Reihe von Jahren während des großen Wave-Gotik-Treffens zu Pfingsten in Leipzig die schwarzgekleideten Besucher über den Südfriedhof und kiam damit auch in den Medien gut an. 

Donnerstag, 12. Mai 2016

Dritte Auflage des Aeternitas-Medienpreises „Friedhof heute“

Kindergrabfeld auf dem Ohlsdorfer Friedhof (Foto Leisner)
Die Verbraucherinitiative Aeternitas schreibt zum dritten Mal Journalistenpreis „Friedhof heute“ aus.

Ich zitiere die Pressemitteilung: "Der mit insgesamt 5.000 Euro dotierte Preis würdigt journalistische Arbeiten, die sich dem Thema Friedhof unbefangen und mit gegenwärtigem Bezug widmen. Thematische Einschränkungen für die Beiträge gibt es nicht: Wirtschaftliche, juristische, religiöse sowie praktische Fragen oder auch ökologische, kulturgeschichtliche und künstlerische Aspekte können Gegenstand der Berichterstattung sein. Die Wettbewerbsbeiträge müssen im Jahr 2016 in einem deutschsprachigen Publikumsmedium – egal ob Print, Online, Radio oder TV – veröffentlicht worden sein. Einsendeschluss für die Teilnahme ist der 31. Dezember 2016. Neben der Relevanz und Originalität des Themas, werden von der Jury unter anderem die Perspektivenvielfalt, die Qualität der Recherche und deren journalistische Aufbereitung beurteilt. Verliehen wird der Preis Anfang 2017 an drei Preisträger.

Weitere Informationen zum Medienpreis „Friedhof heute“ inklusive der Ausschreibung und der Teilnahmeerklärung sowie zu den Gewinnern der letzten Jahre finden Sie im Bereich „Presse“ auf der Webseite www.aeternitas.de."

Dienstag, 10. Mai 2016

Grab und Memoria im frühen Landschaftsgarten


Cover von Grab und Memoria,
Wilhelm Fink Verlag
" 'Et in arcadia ego' - Grab und Memoria im frühen Landschaftsgarten" hieß die Tagung, die der Sonderforschungsbereich 644 (SFB) "Transformationen der Antike"vom 7. bis zum 8. Mai 2010 in Berlin veranstaltet hat. und deren Beiträge im letzten Jahr in einem Tagungsband publiziert worden sind. Sein Inhaltsverzeichnis und eine Leseprobe mit der Einführung und dem Beitrag von Horst Bredekamp sind im Internet veröffentlicht. Veranstalter der Tagung war das Unterprojekt B 4 des SFB mit dem Titel "Angestammte Antiken: Die Erfindung des 'englischen' Gartens und seine Vorraussetzungen". Damit dürfte der Rahmen der Tagung ausreichend definiert sein.

Das programmatische Ziel des o.g. Sonderforschungsbereiches an der Humboldt-Universität wird auf seiner Website als "die interdisziplinäre Kontextualisierung der produktiven Aneignungen und Transformationen antiker Wissenschaften und Künste" beschrieben. Vielleicht übersetzt man dieses Ziel am verständlichsten damit, dass mehrere Disziplinen gleichzeitig das jeweilige Umfeld erforschen, in dem zu bestimmten Zeiten wissenschaftliche und künstlerische Werke der Antike in das jeweils zeitgenössische Denken und Handeln übertragen worden sind? 

In diesem Blog muss die Frage gestellt werden, inwieweit die Gräber in den englischen Gärten mit der Geschichte der historischen Friedhöfe in Verbindung stehen. Zu diesem Thema gibt es in dem Tagungsband eine ganze Reihe von interessanten Beiträgen. Daneben aber stehen weitere Beiträge, die auf verschiedene Weise das Thema der Antikenrezeption in den Blick nehmen, wie zum Beispiel der Bericht von Horst Bredekamp zu "Bomarzo - Neues vom ältesten Lanschaftsgarten" oder die mit einer CD mit Musikbeispielen unterlegten Ausführungen von Joachim Kremer über "Trauer, Erinnerung und Trost – Musikalische Memoria in der Frühen Neuzeit".  

Die Mehrzahl der Beiträge widmet sich allerdings der Anlage von Gartengräbern im 18. Jahrhundert und ihrer Einbindung in kulturgeschichtliche Traditionen. Nach Italien zum angeblichen Grab des Vergil bei Neapel führt Salvatore Pisani. Er geht nicht so sehr auf die touristische Bedeutung dieses römischen Grabbaus ein, dessen Nachbildungen in einigen europäischen Landschaftsgärten stehen, sondern beschäftigt sich mit dem politischen Kontext in dem von Spaniern besetzten Königreich Neapel. Dadurch, dass er die Berichte von Reisenden mit denen der Einheimischen kontrastiert, wird deutlich wie das Grabmal vor Ort als ein wichtiges Merkmal der eigenen Geschichte rezipiert worden ist. Gleichzeitig bildet diese Grabstätte aber auch ein frühes Beispiel für ein landschaftlich gelegenes Grab, das von den Reisenden mehrerer Jahrhunderte besucht und als vorbildlich angesehen wurde.

Der Beitrag von Sascha Winter über das Totengedenken im Irrhain des Pegnesischen Blumenordens in Nürnberg um 1700 weist auf ein frühes Beispiel für die Bedeutung des Waldes in der Erinnerungskultur hin. Dort wurde zwar nicht begraben, aber der Wald wurde zu einer Art "Kirchhof"; einem Bezirk des Gedenkens und der Erinnerung, in dem anfangs Tafeln an den Bäumen aufgehängt und später sogar Monumente für verstorbene Mitglieder der Dichtervereinigung errichtet wurden.

Annette Dorgerloh - eine der drei Herausgeberinnen des Buches, zu denen außerdem Marcus Becker und Michael Niedermeier gehören - hat schon 2008 in ihrer Habilitationschrift „Strategien des Überdauerns: Das Grab- und Erinnerungsmal im frühen deutschen Landschaftsgarten“ untersucht und geht in ihrem Beitrag "Von der Todesfurcht zum Trost in der Natur. Grundlagen für die Entwicklung von Gartengräbern im aufgeklärten Zeitalter" darauf ein, wie einerseits am Ende des 18. Jahrunderts die Toten immer mehr aus der Öffentlichkeit verdrängt wurden - z.B. durch die Errichtung von Leichenhäusern und die Verlegung der Friedhöfe - und andererseits Erinnerung verstärkt "in einem arkadischen Natur- bzw. Gartenambiente lokalisiert" wurde.

Sonntag, 8. Mai 2016

Konferenz der ASCE in Dublin - 6.- 8.10.2016


Website der ASCE zur Jahresversammlung in Dublin
aufgerufen am 13.6.2016
Die ASCE (Association of significant cemeteries in Europe) hält in diesem Jahr ihre Hauptversammlung in Verbindung mit ihrer jährlichen Tagung vom 6. bis 8. Oktober in Dublin ab. Da dort an den Osteraufstand vor hundert Jahren erinnert wird, als militante irische Republikaner gewaltsam die Unabhängigkeit ihres Landes von Großbritannien erzwingen wollten, werden die Vorträge um das Thema "Konflikt, Erinnerung = Versöhnung” kreisen. 

Die Delegierten kommen im Dublin Castle zusamenn und werden natürlich auch fachkundig über den berühmten Glasnevin Cemetery – den Nationalfriedhof Irlands – geführt werden. 

Näheres zur Tagung und zum Programm wird auf der entsprechenden Seite der ASCE veröffentlicht. Dort kann man sich auch bis zum 10. Juli noch anmelden. 

Klar ist schon, einige der führenden "Friedhofsakademiker" in Europa sprechen werden. Die Vortragenden der Keynotes werden von Professor James Stevens Curl angeführt, zu ihnen gehören außerdem Ian Hussein, Director of Commonwealth War Graves Western Europe und Richard J. Moylan, Präsiden des Green-Wood Cemetery in New York.















Freitag, 29. April 2016

Tagung in Dresden: "Friedhofs- und Bestattungskultur - ehrenamtliches Engagement"

Die diesjährige Tagung der ehrenamtlichen Beauftragten für Denkmalpflege mit den Denkmalschutzbehörden lädt zu einer Tagung in Dresden ein, die sich mit Friedhofs- und Bestattungskultur befasst. Sie findet am Freitag, dem 27. Mai 2016 im Festsaal des Ständehauses Dresden statt. Bei Interesse an einer Teilnahme sollte man sich an das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Frau Webersinke, wenden, da dafür eine Einladung benötigt wird. Hier ist das Programm.

Mittwoch, 27. April 2016

Friedhof am Meer

Mit diesem Post habe ich schon auf die Buchvorstellung dieser neuen Publikation zur Geschichte des Keitumer Friedhofes auf Sylt hingewiesen. Nun habe ich das Buch auch vor mir auf dem Schreibtisch liegen.

Schon am Inhaltsverzeichnis erkennt man, dass es sich dabei um eine Gemeinschaftsarbeit handelt. Insgesamt legen neun Autoren hier die Ergebnisse ihrer Einzeluntersuchungen zum Keitumer Friedhof und dem Tod auf Sylt vor, die während eines fast dreijährigen Forschungsprojektes am Instituts für Volkskunde/Kulturanthropologie der Universität Hamburg unter Leitung von Prof. Dr. Norbert Fischer erareitet worden sind.

Dabei ist dem Inhaltsverzeichnis allerdings auch anzumerken, dass einige Autorinnen deutlich intensiver geforscht haben als andere. So stammen von Claudia Schmdt alle Beiträge zu dem erste Hauptkapitel zur "Erinnerungskultur auf dem Keitumer Friedhof" und sie hat auch weitere Beiträge zu den anderen Hauptkapiteln geleistet, während andere Autoren nur mit einem oder zwei Beiträgen vertreten sind.

Die weiteren Hauptkapitel sind übertitelt mit: "Porträts - Menschen auf dem Keitumer Friedhof", "Der maritime Tod", "Der Keitumer Friedhof im Kontext des Nationalsozialismus", sowie "Keitumg und die Inselt Sylt", Im Rahmen des ersten Kapitels wird der Friedhof mit seiner Entwicklungsgeschichte vorgestellt, seine Grabmalkultur werden erläutert ebenso wie das Leben und Sterben am Meer. Zudem wird aufgezeigt, wie der Friedhof im Laufe der Zeit immer stärker museal inszeniert wurde. Heute zieht er sowohl Touristen an wie Menschen, die an diesem besonderen Ort beerdigt werden wollen. Die weiteren Abschnitte dieses Kapitels widmen sich der Kunst auf dem Friedhof, sowie einzelnen Grabmalen, ihrem historischen Kontext und ihrer gerade fertiggestellten letzten Restaurierung.

Blick in das Buch "Friedhof am Meer -
Der St. Severin-Friedhof in Keitum ud der Tod auf Syl
t." S. 12
Mit dem folgenden Kapitel geht es dann in die Gegenwart. Menschen werden vorgestellt, die in enger Verbindung zu dem Friedhof stehen: ein Malermeister, der alte Grabsteine verschönert; der Friedhofsverwalter und seine Mitarbeiter; sowie ein Friedhofsgärter, der Touristenführungen an seinem Arbeitsort anbietet.

Intensiv beschäftigt sich das Buch danach mit den Zeugnissen des maritimen Todes, in deren Symbolen und dinglichen Hinterlassenschaften, aber auch in den schriftlichen Verzeichnis des Totenregisters sich das Inselleben vergangener Zeiten mit seiner steten Gefahr von Sturmfluten und Schiffsuntergängen widerspiegelt.

Dem Nationalsozialismus und seinen Spuren im Inselleben wird in Einzelstudien nachgegangen und in dem letzten Kapitel wird Keitum noch einmal auf der Insel Sylt veortet. Dabei werden einzelne Aspekte hervorgehoben wie die "Stereotype der Sylter Frauen im 18. und 19. Jahrhundert". Geschichten von Kriegsflüchtlingen und Investoren werden erzählt und das Anwachsen des Tourismus sesit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wird am Beispiel des Seebades Westerland und der Entstehungsgeschichte des Hindenburgdammes und der Inselbahn aufgezeigt.

Insgesamt gibt dieses Buch nicht nur einen Einblick in die Friedhofsgeschichte von Keitum, sondern zeigt, welcher umfassende und vielfältige Einblick in Geschichte, jüngste Vergangenheit und Gegenwart im Rahmen der Untersuchung eines historischen Friedhof und seiner Grabmale gewonnen werden kann. Dabei sind die verschiedenen Beiträge nicht in trockener wissenschaftlicher Sprache abgefasst, sondern lesen sich leicht. Zudem sind sie reich bebildert, so dass dieser Friedhofsband nicht nur ein Gewinn für Friedhofsfreunde ist, sondern auch Touristen auf Sylt einen tieferen Einblick in die Kulturgeschichte der Insel ermöglicht.

Norbert Fischer, Julia Helbig, Stefanie Pfaff, Sina Sauer, Claudia Schmidt (Hg.), Friedhof am Meer. Der St.-Severin-Kirchhof in Keitum und der Tod auf Sylt. Husum Verlag, 192 Seiten, 19,95 Euro

Dienstag, 26. April 2016

Hamburg Ohlsdorf - Förderverein für das historische Islamische Gräberfeld gegründet

In dem Beitrag "75 Jahre islamisches Gräberfeld in Hamburg" von Firouz Vladi, der in der Nr. 133 von "Ohlsdorf- Zeitschrift für Trauerkultur" erscheint, lese ich gerade, dass ein Förderverein für das schon 1941 eingerichtete erste Gräberfeld der damaligen Iranisch-Mohammedanischen Gemeinde bei Kapelle 2 gegründet worden ist.

Hier ein Blick auf das islamische Grabfeld bei Kapelle 12
(Foto Leisner 2015)
Das Gräberfeld ist mit ca. 150 Bestattungen schon lange voll belegt und inzwischen sind weitere islamische Gräberfelder bei Kapelle 13 und auf anderen hamburgischen Friedhöfen eingerichtet worden. Das historische Gräberfeld hat deswegen besondere Bedeutung, weil es mit zu den ältesten Dokumenten islamischer Existenz in Hamburg gehört und nach dem „Türkischen Friedhof“ in Berlin-Neukölln das älteste seiner Art in Deutschland ist.

Nachdem das Grabfeld verwilderte und durch Spenden einiger iranischer Kaufleute wieder Instand gesetzt wurde, soll nun mit Hilfe des neuen Vereins dafür gesorgt werden, dass das Grabfeld als Ganzes auf Friedhofsdauer erhalten bleibt und stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt wird.

Vgl. zum Thema auch: Christine Behrens, Islamische Bestattungskultur zwischen Tradition und Anpassung, in: Ohlsdorf- Zeitschrift für Trauerkultur, Nr. 81, II, 2003

Dienstag, 19. April 2016

Der Tod ist die Pforte zum Leben


Reiner Sörries, Der Tod ist die Pforte
zum Leben (Reichert Verlag)
Schon im Tagungsbericht "Historische Friedhöfe" hatte ich auf den Vortrag von Prof. Reiner Sörries hingewiesen, der damals mahnte: "Vergesst die Tore nicht!" So ist im Übrigen auch sein Beitrag im Tagungsband überschrieben. Offensichtlich arbeitete er zu dieser Zeit bereits an seinem neuen Buch, das jetzt mit dem Titel "Der Tod ist die Pforte zum Leben. Die Geschichte des Friedhofseingangs vom Mittelalter bis zur Gegenwart" erschienen ist.

Dieser reichbilderte Band ist für mich geradezu zum Augenöffner geworden. Ehrlich gesagt, habe ich selbst die Eingangssituation von Friedhöfen bisher selten bewusst wahrgenommen. Das ändert sich gerade, wie meine Fotos des kleinen ländlichen Friedhofs um die Kirche von Bosau beweisen sollen.

Mit diesem neuen Buch, das der Autor nach eigenem Bekunden als Abschied aus der "Welt der Sepulkralkultur" verfasst hat, legt Sörries einen ausführlichen Überblick über die historische Entwicklung der Friedhofseingänge vor. Sein Anliegen ist es dabei zu zeigen, dass die "Türen, Tore und Portale, die den Weg zum Friedhof eröffnen, mehr sind als ein notwendiger Zugang von draußen nach drinnen. Sie bilden vielmehr zugleich eine symbolische Schwelle und erzählen davon, welche Bedeutung man dem Tod in unterschiedlichen Zeiten beimaß."

Verbunden ist dieses Anliegen mit einem gerüttelt Maß Kritik am heutigen Friedhofswesen. Denn der Verfasser will mit seinem Buch auch aufzeigen, "worunter unsere Friedhöfe heute leiden, nämlich an einer weit fortgeschrittenen Versachlichung. Die heute verbreiteten gesichts- und sprachlosen Friedhofseingänge belegen, dass unsere Friedhöfe keine Botschaft mehr haben, die Menschen unabhängig von Religion und Weltanschauung eigentlich erwarten." Mit seinem Werk will Sörries deshalb auch zum Um- und Nachdenken über die Friedhofsgestaltung anregen, denn, wie er es ausdrückt "der Eingang ist die Visitenkarte eines Friedhofs, und was hier nicht geschieht, das ereignet sich auch auf dem Friedhof nicht."

Friedhofseingang in Bosau: Auf dem schlichten linken Torpfeiler
steht "WOHEN", auf dem hierabgebildeten rechten 
"NA HUS" (Plattdeutsch: Wohin?
Nach Haus) (Foto Leisner)
Nach diesem dezidierten Vorwort geht Sörries in weitgehend chronologischer Reihenfolge auf die verschiedenen Gestaltungsweisen von Friedhofseingängen in ganz Deutschland ein und wirft ab und zu auch einen Seitenblick auf andere europäische und außereuropäische Traditionen. Beginnend mit den Beinbrechern des Mittelalters, geht die Wanderung zu Kirchhöfen, die den Kirchen als Vorhof dienen, und weiter zu den Pforten, Toren und Portalen jener Friedhöfe, die seit der Reformation außerhalb der Städte angelegt wurden. Dabei lässt er weder die Sonderform der Tortürme noch die Torhäuser außer Acht. Für Letztere zeigt er auf, dass sie bei Weitem nicht auf den Norden Deutschlands beschränkt sind, wie die bisherige Literatur es vermuten ließ. (Zu der Literatur gehört auch Heft 96 unserer Ohsldorfzeitschrift, das den Torhäusern gewidmet ist.)

In mehreren Kapiteln werden dann die besonders reich ausgestalteten Eingangssituationen jener Zeit aufgefächert, als Friedhöfe "Zu Nutz und Trost der ganzen Gemein" neu eingerichtet wurden und die Portale nicht nur Träger christlicher Botschaften sondern zugleich auch bleibende Erinnerungszeichen für ihre Stifter und/oder Errichter wurden. Der Entwicklung in Wittenberg ist dabei ein Extrakapitel gewidmet. Weiter geht es dann zum "Sensenmann am Friedhofstor" und den Plastiken von Heiligen an den katholischen Toren aus Zeit der Gegenreformation. Es folgen die ersten Portale, die zeigen, dass das Zeitalter der Aufklärung nicht spurlos an den Friedhöfen vorübergezogen ist. In diesem Kapitel wird auch das besonders eindruckvolle Eingangsensemble des berühmten Dessauer Friedhofes thematisiert. Parallel dazu wird im folgenden Abschnitt der Gegenentwuf der Herrenhuter Brüdergemeine vorgestellt. Die folgenden Kapitel widmen sich der historistischen Gestaltung.
Gleich rechts hinter dem Tor ist in Bosau ein Findling
mit der Infschrift aufgestellt: "Hier endet 
einmal jedermanns Weg" (Foto Leisner)

Anzumerken ist, dass in allen Abschnitten nicht nur die Gestaltung der Tore vorgestellt und interpretiert wird, sondern dass sie stets in Verbindung mit ihrem ikonografischen Programm und ihren verbalen Aussagen als Ganzheit gesehen werden; ein Vorgehen, das den Leser gleichzeitig zu Lektüre und intensiver Bildbetrachtung einlädt. Deutlich an der Gestaltung und den Inschriften abzulesen ist dabei, wie die Friedhöfe im 19. Jahrhundert ihre spirituelle Aussagekraft immer mehr einbüßten und zu einer kommunalen Bauaufgabe - parallel zu den neuen Bahnhöfen und wichtigen Verwaltungsgebäuden - wurden. Ein "Blick in die Neue Welt" zeigt übrigens die weltweit fast theatralische Inszenierung der Friedhöfseingänge dieser Epoche.

Mit dem Kapitel "Staub bist du!" wendet sich der Autor den jüdischen Friedhöfen in Deutschland zu, die anscheinend keinen Sonderweg eingeschlagen haben, wenn man von einzelnen Beispielen absieht, die den Stil maurischer Bauten historisierend als Kennzeichen der eigenen Religion für sich beanspruchten. Dagegen sind die muslimischen Begräbnisplätze in Europa noch so selten, dass sich aus ihrer Gestaltung kein Trend ablesen lässt. Interessant ist dann die Interpretation der romantischen Friedhofsgemälde des 19. Jahrhunderts, die mit der Überschrift "Ein diffruser Hauch des Werdens und Vergehens" interpretiert werden.

Eine mir bisher unbekannte Verbindung von Friedhofseingängen mit Erinnerungsmalen für Gefallene füllt fast ein ganzes weiteres Kapitel. Mit Funktionalität und Transparenz geht es dann in die Moderne und bis in die Gegenwart, bevor die abschließenden Kapitel noch einmal zusammenfassend einen Überblick über die historische Entwicklung, sowie über die an Friedhofseingängen aufzufindenden Inschriften geben. Am Schluss wachen dann noch "Engel über den Friedhofseingang", denen der Autor nicht wirklich gewogen ist, wenn er schreibt, dass sie "zu allen Zeiten zu einer ebenso tröstliche wie letztlich doch unverbindlichen Gestaltung" verhalfen.

Insgesamt ist diese Untersuchung, die sich auf ein sehr reiches Beispielmaterial stützt, wegweisend für alle weiteren Forschungen zu diesem Thema. Mit ihr ist eine wichtige Lücke der Sepulkralgeschichte gefüllt. Alle weiteren Untersuchungen können auf dieser sicheren Basis aufbauen. Aber nicht nur die historische Forschung profitiert von dieser Arbeit. Dieses Buch muss besonders den Praktikern der Friedhofsgestaltung und -verwaltung ans Herz gelegt werden, da es mit einer Vielzahl von Beispielen vor Augen führt, welche überragende Bedeutung der Eingangsbereich zu dem "Ruheplätzen" der Toten besitzt. Das Plädoyer des Verfassers sich intensiver mit dieser symbolischen Schwelle zu befassen kann hier nur unterstrichen werden.


Sörries, Reiner, Der Tod ist die Pforte zum Leben. Die Geschichte des Friedhofseingangs vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Reichert Verlag 2016, 352 S., 333 farb. Abb., 8 s/w Abb., Gebunden 39,90 €
ISBN: 9783954901166